Mittwoch, 9. März 2016

{Blogtour} Vergewaltigung

Willkommen zum dritten Tag unserer Blogtour! Nachdem es gestern schon um Eifersucht ging, kommen wir heute zu einem weiteren unerfreulichen Thema; Vergewaltigung. Alle Themen gibt's beim Klick in die Sidebar.


Machen wir ein Gedankenexperiment. 
Ihr habt doch sicher einen Mann mittleren Alters in eurem Bekanntenkreis oder dem eurer Eltern. Aber bitte denkt hinterher dran: Er hat nicht wirklich was getan! Vielleicht überlegt ihr euch besser eine fiktive Person. Habt ihr sie? Gut.

Es ist Sonntag und du bist zu einem gemütlichen Brunch im Freundeskreis verabredet. Alle haben gute Laune, die Gespräche sind angenehm und das Essen lecker. Irgendwann musst du vom vielen Kaffee auf die Toilette.
Auf dem Rückweg begegnest du eben diesem Mann, den du dir vorstellen solltest. Nennen wir ihn Moritz. Er schiebt dich zurück in die Toilette und schließt ab. Du fragst ihn, was dass soll. Er erwidert, wenn du schreist, dann wird er dir schreckliches antun. Du hast Angst, willst dich wehren, aber er ist stärker. Mit seinem ganzen Körper hält er dich in Position, dann vergewaltigt er dich. Nach der Tat verlässt er die Toilette, als sei nichts geschehen. Du bleibst benommen sitzen.
Was nun? Du kannst deinen Freunden nichts davon erzählen, schließlich gehörst Moritz viel länger in die Clique als du. Niemand würde dir glauben. Deiner Familie willst du auch nichts sagen. Und außerdem war es ja gar keine richtige Vergewaltigung, oder?

Vergewaltigung: Erzwungener Geschlechtsverkehr durch Androhung oder Gebrauch von Gewalt.
Der Mythos hält sich hartnäckig; Junge Frau wird im Dunkeln brutal überwältigt. Der Täter ist ein Unbekannter. Das trifft jedoch nur auf einen kleinen Teil aller Fälle zu. Meistens sind die Täter Menschen aus dem Verwandten- oder Bekanntenkreis oder sogar der eigene Partner.

Du verabschiedest dich und gehst sofort nach Hause. Dort steigst du als erstes unter die Dusche. Du fühlst dich schmutzig, dein Körper ekelt dich an. Du schrubbst deine Haut so lange, bis sie wund ist. Selbst dann verschwindet das Ekelgefühl nicht. Irgendwann kriechst du heulend in dein Bett.
Du musst eingeschlafen sein, denn deine nächste Erinnerung ist, wie du schreiend im Bett sitzt. Im Traum hast du Moritz Gesicht gesehen und alles nochmal durchlebt. Nur langsam kannst du dich wieder beruhigen. Es war nur ein Albtraum. Der erste von unzähligen, die du noch vor dir hast.

Selbst wenn die Opfer es schaffen, das Erlebte tagsüber zu verdrängen, kommt im Schlaf alles wieder hoch. Deshalb versuchen sie so wenig wie nur möglich zu schlafen, was natürlich extrem kraftraubend ist. Das nimmt ihnen auch die Energie, die sie bräuchten, um sich wieder in ihren Alltag einzufinden.

Die nächsten Wochen sind nicht leicht für dich. Du schaffst es zwar, wieder zu funktionieren, aber das ist nur die Fassade. Innerlich hast du mit großen Ängsten zu kämpfen, wann immer du mit anderen Menschen zusammen kommst. Du kannst es nicht ertragen, berührt zu werden, sei es auch noch so unverfänglich. Es reicht schon, wenn jemand sich nicht mehr in deinem Sichtfeld aufhält, um in Panik zu geraten.
Zur Arbeit gehen kannst du nicht mehr. Auch einkaufen wird zu einem Problem. Du traust dich kaum noch aus dem Haus zu gehen und nachts lässt du alle Lichter brennen. Du wohnst alleine, was vorher nicht schlimm war. Jetzt zuckst du bei jedem Geräusch zusammen und kannst dich nicht mehr sicher fühlen. Du duscht mehrmals täglich, aber du fühlst dich noch genauso schmutzig wie am Anfang. Du möchtest sterben, oder zumindest vergessen, aber es geht nicht.

Ein weiteres großes Problem sind Flashbacks. Ein Geruch, Wort oder Geräusch kann die Betroffenen mitten am Tag zurück ins Geschehen werfen. Man nennt diese Auslöser Trigger. Die Flashbacks können aber auch ohne Trigger kommen, wenn zum Beispiel die innere Anspannung zu hoch wird. Manche kippen dann einfach um, andere starren vor sich hin. Das Bewusstsein ist abgeschaltet und die Opfer hängen im Trauma fest. Es bedarf dann starker Reize, um sie zurückzuholen. Ein Mittel ist, dem Patienten Amola (Amonik-Lavendel-Gemisch) unter die Nase zu halten. 
In einer Therapie kann man lernen, die Situation selbst zu entschärfen, um sich vor den Flashbacks zu schützen. Eine zweite Stufe ist es dann, sich selbst aus den Flashbacks zurückzuholen. Das ist aber deutlich schwieriger.

Wie soll es für dich weiter gehen? Natürlich könntest du Moritz anzeigen. Aber willst du das? Immerhin müsstest du dann alles erzählen. Dabei willst du doch am liebsten vergessen. Und wer würde dir schon glauben? Dann ist da noch die Angst zu scheitern. Falls du Anklage erhebst und Moritz nicht verurteilt wird, stehst du doch als Lügnerin da.
Du hast deine Freunde eh schon halb verloren, weil du dich seit dem Vorfall mit niemandem mehr treffen konntest. Du hattest viel zu viel Angst Moritz zu begegnen. Ein Prozess, der alles wieder aufwirbelt und in dem du ihm gegenüber treten musst, kommt für dich nicht in Frage.

Weniger als 5% aller sexuellen Gewalthandlungen in Deutschland werden zur Anzeige gebracht. Bei gerade mal 8% aller angezeigten Vergewaltigungen kommt es zu einer Verurteilung. Die Chancen auf Erfolg sind dann am höchsten, wenn man direkt nach der Tat zur Untersuchung geht. Sind die körperlichen Spuren erstmal verheilt, lässt sich dem Täter kaum noch etwas nachweisen. Zeugen gibt es normalerweise nicht.

Kommt nun wieder aus dem Gedankenexperiment heraus in die Wirklichkeit.
Ich hoffe, niemand von euch hat bisher so etwas Schreckliches erlebt. Das Schwierigste ist immer, sich jemandem anzuvertrauen. Deshalb gehen viele auch nicht zu einem Therapeuten. Vielleicht kann man es aber gerade so der besten Freundin erzählen.

Deshalb hier einige Tipps, falls jemand aus eurem Freundeskreis betroffen ist:
1. Ernst nehmen! Es fällt den Opfern schon schwer genug, überhaupt was zu sagen. Da ist es nicht hilfreich, wenn jemand tausendmal fragt, ob das wirklich stimmt oder erklärt, dass doch alles halb so schlimm wäre.
2. Nicht bedrängen! Wenn eure Freundin keine Details erzählen will, dann fragt auch nicht danach. Gleiches gilt, wenn sie nicht vor Gericht ziehen oder zum Psychologen gehen will. Es ist ihre Entscheidung.
3. Stabilität und Normalität! Geht zum Beispiel mit ihr einkaufen oder spazieren, wenn sie sich allein nicht traut. Aber auch hier gilt: Nicht bedrängen!
4. Das Opfer ist nicht schuld! Macht stets klar, dass es allein die Schuld des Täters ist und vermeidet alle Fragen, die etwas anderes andeuten könnten.

Weitere Hilfe bekommt ihr hier:
Weißer Ring - Hilfe für Opfer von Kriminalität jeglicher Art und deren Angehörige
bff: Frauen gegen Gewalt e.V. - Beratung für Frauen und Mädchen, die von Gewalt betroffen sind
bei Ecila findet ihr eine Liste von Beratungsstellen in eurer Region


Kommen wir nun zum Gewinnspiel.
Was war für euch im Gedankenexperiment am eindrücklichsten? Was nehmt ihr daraus mit?
Beantwortet jeden Tag die Frage, um eure Chance auf eines der Bücher zu erhöhen.

Teilnahmebedingungen:
1. Teilnahme ab 18 Jahren oder mit schriftlicher Einverständniserklärung 
der Eltern
2. Versand der Gewinne erfolgt ausschließlich nach Deutschland, 
Österreich und die Schweiz.
3. Für den Postweg wird keine Haftung übernommen.
4. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Keine Barauszahlung der Gewinne 
möglich.
5. Der/Die Gewinner sind im Falle eines Gewinns mit namentlicher Nennung auf den Seiten und Facebookseiten der teilnehmenden Blogs, des Verlags/Autors und der Agentur Spread and Read einverstanden.

Kommentare:

  1. Ähm, dein Gedankenexperiment war nicht ohne, aber beeindruckend.
    Irgendwie ist mir echt unwohl bei dem Gedanken, dass weniger als 5% aller sexuellen Gewalthandlungen in Deutschland zur Anzeige gebracht werden... Besonders nach den Übergriffen in Köln hoffe ich, dass sich mehr und mehr Frauen trauen Anzeige zu erstatten... :/
    Und deine ausführlichen Erläuterungen zu was diese Flashbacks führen können finde ich klasse & einleuchend.
    Von dem Mittel Amola (Amonik-Lavendel-Gemisch) hab ich nichts gehört, aber gut zu wissen. ))

    Grüßchen
    Tanya (Bookish Neverland)

    AntwortenLöschen
  2. Guten Morgen,
    ein sehr schweres Thema so früh am Morgen, das mich sehr mitnimmt. Ich finde es erschreckend, dass nur 5% angezeigt werden und nur 8% verurteilt werden. Als Opfer hat man es wirklich schwer, vor allem wegen der Glaubwürdigkeit. Aus aktuellem Anlass habe ich mich gerade erst selbst etwas mit diesem Thema (sexueller Missbrauch allgemein) auseinandergesetzt und ich bin wirklich geschockt und finde es erschreckend, dass man als Opfer kaum Hilfe bekommt. Ich habe es am eigenen Leib erfahren, dass ein Hilferuf ignoriert wird und von der Umwelt dem Opfer die Schuld in die Schuhe geschoben wird. Man ist einfach nur noch hilflos und muss selbst für seine Sicherheit sorgen, sein Leben einschränken und versuchen damit zu leben.
    Grüße Christine

    AntwortenLöschen
  3. Guten morgen,

    Das war gerade heftig, ich möchte nicht in so einer Situation kommen. Mir tut es schon im Herzen weh, wenn kleine Kinder als vermisst gemeldet werden. Das Thema ist schon total schwierig und es sind sehr viele Frauen betroffen, wenn man die Silvesternacht in Köln bedenkt. Ich glaube auch das viele Frauen zu viel Angst haben, um Anzeige zu erstatten, da sie sich nicht trauen oder den nötigen Halt aus ihrem Umfeld nicht bekommen. Und die Täter werden auch zu milde bedstraft, kommen vielleicht wegen guter Führung auf Bewährung raus oder wegen einem Justizfehler. Teilweise werden gar nicht mehr an die Opfer gedacht. Daher finde ich es sehr gut, das du in deinem Beitrag Tips für Außenstehende und Hilfsstellen angegeben hast.

    Lg Stefanie

    AntwortenLöschen
  4. Da ich weiß wie es ist jdn im Umkreis zu haben der das schon mal durchgemacht hat, ist das am frühen Morgen keine leichte Kost.
    Ich weiß, dass man für den betroffenen immer da sein muss und nixhtvimmer sein Verhalten hinterfragen. Manches machen Sie unbewusst und es hilft, wenn sie wissen, dass jdn da ist.

    AntwortenLöschen
  5. Hallo,

    das ist wirklich harte Kost. Ich hoffe das ich oder eine meiner Freundinnen nie in so eine Situation kommen. Sehr erschreckend ist vor allem wie wenig Vergewaltigungen angezeigt werden und noch viel schlimmer wie wenig Täter bestraft werden.

    LG
    SaBine

    AntwortenLöschen
  6. Hallo,

    ein sehr schwieriges und schlimmes Thema.
    Ich finde einfach alles daran echt schlimm, kenne persönlich aber keinen, der sowas schon mitmachen musste.

    Liebe Grüße,
    Daniela

    AntwortenLöschen
  7. Dieses Gedankenexperiment ist sehr anstrengend gewesen, Gründe dazu nenne ich keine. Allerdings würde ich immer schreien, egal wie gut ich jemanden kenne und mich aus leibeskräften wehren. Kein Mann hat das Recht mich anzufassen, wenn ich das nicht will. Das ist ein Lernprozess, der aber immens wichtig ist. Mein Körper gehört nur mir, sonst keinem.
    Viele Grüße
    Monja
    Nefertari191174@web.de

    AntwortenLöschen
  8. Guten Morgen,
    so etwas wünscht man niemanden! Ich weiß nicht wie ich damit umgehen würde!!! Was ich daraus mitnehme? Gute Frage. Ich kann nicht wirklich sagen wie ich reagieren würde, ob ich die Tipps wirklich anwenden könnte, aber so wie es jetzt ist, denke ich, dass es meine Familie merken würde und ich nicht lang brauchen würde um es jemanden zu erzählen, weil ich für die Menschen, die mir nahestehen, durchschaubar bin. hihi.
    Ein toller aber auch erschreckender Beitrag!!!
    Lg
    Gaby

    AntwortenLöschen
  9. Hey,
    Dieses Gedankenexperiment, war für mich persönlich sehr spannend.
    Ich habe mich in diese Person hinein versetzt und war überrascht wie ich darauf reagiert habe.
    Ich sehr froh das mir so etwas nie passiert ist.
    Und ich wünsche es wirklich niemandem.

    Lg Marina

    AntwortenLöschen
  10. Hallo,

    erstmal muss ich sagen, dass ich die ich die Idee mit dem Gedankenexperiment wirklich toll fand... am eindrücklichsten fand ich dabei, dass man sich in eine völlig andere Lage hineinversetzt und dabei gleichzeitig schauen kann, wie man selbst darauf reagieren würde...

    LG

    AntwortenLöschen
  11. Wow, dein Gedankenspiel war echt heftig. Ich habe mich richtig mies gefühlt und es ist wirklich schrecklich wie wenig Anzeigen und Verurteilungen es gibt. Als Opfer hat man echt keine Chance und wenn es in der Familie bzw. im Freundeskreis geschieht verliert man auch noch einen gewaltigen halt, den man eigentlich zum Verarbeiten eines solchen Erlebnisses braucht. Wirklich grauenhaft. Ich bin echt traurig, dass es Individuen gibt, die anderen das Leben zerstören. Und für was? Für rein gar nichts, außer ein paar Minuten zweifelhaftes Vergnügen. Ekelhaft.

    Von mir gibt es ein großes Lob für deinen Post und das Buch kommt garantiert auf meine Wunschliste.

    LG

    AntwortenLöschen
  12. Hallo,
    am eindruckvollsten war wohl, dass dieses Gedankenexperiment einen mehr mitnimmt als man erwartet - und umso glücklicher bin ich, dass mir das nicht passiert ist.

    LG Sarina

    AntwortenLöschen
  13. Hallo,

    ein schreckliches Gedankenexperiment, was ich auch rasch abgebrochen habe. Es ist ein Thema, was mich privat begleitet und deswegen konnte ich einfach nicht weiter lesen.

    Liebe Grüße

    Janine

    AntwortenLöschen
  14. Hallo,

    das Gedankenexperiment ist einfach nur schrecklich. Ich könnte ja nie ein Buch lesen, wo so ein Thema vor kommt, da ich selbst vieles in meiner Jugend mitmachen musst. Wie kommt man als Autorin darauf, bloß sowas zu schreiben?

    AntwortenLöschen
  15. Hallo,

    oh Gott was für ein Experiment. Das ist so schrecklich. Da bekomme ich das Gefühl, mich für die männliche Spezie entschuldigen zu müssen.

    Mir fehlen die Worte.

    AntwortenLöschen