Mittwoch, 26. April 2017

{Rezension} Ich, Eleanor Oliphant

Irgendwas läuft bei mir gerade falsch. ich lese zwar sehr viel, komme aber nicht dazu, Rezensionen zu schreiben. Die stapeln sich hier und ich werde wohl nicht mehr alle in diesem Monat fertig kriegen.








Zum ersten Mal in ihrem Leben ist Eleanor verliebt. Sie, die immer eine Einzelgängerin war, versucht nun alles, um für eine Begegnung mit ihrem Auserwählten vorbereitet zu sein.
Gemeinsam mit ihrem Kollegen Raymond beobachtet sie, wie ein alter Mann auf der Straße umkippt. Ihre Rettungsaktion verbindet die beiden und Eleanor muss sich eingestehen, dass die Gesellschaft anderer Menschen auch schöne Seiten haben kann. Langsam entdeckt sie eine ihr bisher unbekannte Welt und beginnt nun auch, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen.







Die Protagonistin ist ziemlich ungewöhnlich. Nach traumatischen Erlebnissen in ihrer Kindheit, über die wir allerdings lange nichts genaues erfahren, hat sich sie in ihrem Leben eingerichtet. Sie hat eine eigene Routine und ihre Arbeit hält sie aufrecht. Sie ist nicht glücklich, aber auch nicht verzweifelt. Sie scheut den Kontakt zu anderen Menschen und ist fast immer allein. Einmal die Woche telefoniert sie mit ihrer Mutter, doch das Verhältnis ist nicht besonders gut. Als Leser taucht man in eine Welt ein, die zumindest mir völlig unbekannt war. Weil Eleanor sich so aus der Gesellschaft herausnimmt, hat sie auch wenig Ahnung von einfachsten Gepflogenheiten und den Grundlagen der Freundschaft. Ihre Überlegungen konnten mich manchmal zum Schmunzeln bringen, aber vor allem haben sie mir gezeigt, wie viel man für selbstverständlich hält, wenn man damit aufwächst. Die Autorin hat einen genauen Blick für die Details zwischenmenschlicher Interaktion, der auch ein neues Licht auf unseren Alltag werfen kann.
Eleanor liebt Sprache und das wird auch im Schreibstil immer wieder deutlich. Die Geschichte ließ sich gut lesen, aber sie war auch emotional und tiefgründig. Gail Honeyman findet immer die richtigen Worte, um Situationen, Gefühle und Menschen perfekt zu beschreiben.
Dieses Buch räumt mit Vorurteilen auf und zeigt, dass mehr in einem Menschen steckt, als man auf den ersten Blick sieht. Raymond, der eine wichtige Rolle spielt, ist gewissermaßen der typische Nerd. Ein schlecht gekleideter Computerfreak, der keine Freundin hat und viel Zeit allein mit Videospielen verbringt. Doch er ist auch ein herzensguter Mensch, der ohne zu zögern für andere da ist. Er ist der erste, der einen Blick hinter Eleanors verschlossene Fassade wagt.
Dann ist da noch Laura, die Tochter des alten Mannes, der auf der Straße zusammengebrochen ist. Sie wirkt wie die toughe Karrierefrau, der Aussehen enorm wichtig ist und die keine Zeit für ernsthafte Beziehungen hat. Doch auch sie stellt sich als sympathisch und hilfsbereit heraus.
Dagegen sind die Kolleginnen im Büro eigentlich ganz normale Menschen. Mit ihnen kann ich mich identifizieren, sie führen ein durchschnittliches Leben. Doch gerade diese normalen Menschen ohne besondere Probleme sind diejenigen, die ständig über Eleanor (und andere) lästern. Dabei würde man ohne sie zu kennen davon ausgehen, dass sie freundlich und aufgeschlossen sind, schließlich geht es ihnen gut. Aber ich will sie nicht verteufeln, denn schließlich meinen sie es nicht böse.
Eleanors Mutter spielt eigentlich nur eine Nebenrolle, aber ihr Einfluss scheint größer zu sein als ihr Redeanteil. Deshalb habe ich mich die ganze Zeit gefragt, was in Eleanors Vergangenheit passiert ist. Warum nennt sie ihre Mutter "Mummy", als wäre sie noch immer ein kleines Kind? Und warum besucht sie sie nie? Diese Fragen haben wesentlich dazu beigetragen, dass ich das Buch so schnell durch hatte. Am Ende wird alles auf sehr überraschende Weise beantwortet.
Ich habe ziemlich bald gedacht, ich wüsste, wohin die Geschichte laufen würde. Doch das, was ich die ganze Zeit erwartet habe, ist nicht passiert. Dann wurde mir klar, dass ich in einem Denkmuster gefangen bin, aus dem ich so leicht nicht mehr rauskomme. Es ging aber eigentlich um etwas ganz anderes, das Eleanor lernen sollte. Es geht darum, herauszufinden, wer man selbst ist und was man mit seinem Leben anfangen möchte. Manchmal muss man dafür die Vergangenheit hinter sich lassen, auch wenn es schwer fällt.

Von Bastei Lübbe habe ich nicht nur das Rezensionsexemplar bekommen, sondern auch eine Ausgabe, die ich an meine "beste Freundin" verschenken durfte. Wir haben uns schon während des Lesens ausgetauscht, deshalb hier nun auch ihre Meinung zum Buch:

"Ich finde es toll, weil sie so ganz anders ist [...] Außerdem, weil sie eine so ungewöhnliche Sichtweise auf die Welt hat. [...] Ich finde ihre Gefühlsbeschreibungen immer so schön. [...] Cooles Ende auf jeden Fall."









Ein wunderbarer Roman, der den Blick auf die kleinen Glücksmomente des Alltags richtet und gleichzeitig mit dem Geheimnis um Eleanors Vergangenheit für Spannung sorgt.

Freitag, 21. April 2017

{Theogequatsche} Ostern für alle

Meine Osterpause ging doch etwas länger als gedacht, aber das echte Leben hat eben Vorrang. Jetzt möchte ich aber doch noch ein paar Gedanken mit euch teilen, die ich mir in den letzten Tagen gemacht habe.

Für viele von euch bedeutet Ostern wahrscheinlich Eier färben, Familie besuchen und mal wieder ein paar Tage frei. Das ist natürlich vollkommen legitim, aber für mich als Katholikin ist dieses Fest das wichtigste überhaupt, deshalb habe ich mich gefragt, ob es nicht noch mehr geben müsste. Einen Sinn, der über die Traditionen hinausgeht und der auch für Nichtchristen bedeutsam sein kann.

Grabeskirche (Jerusalem)
Ich muss ein bisschen ausholen, aber am Ende werdet ihr mir hoffentlich zustimmen. In den Gottesdiensten der Kar- und Ostertage werden wie immer verschiedene Geschichten aus der Bibel, vor allem von Jesus, vorgelesen. Es dürfte bekannt sein, dass wir seinen Tod und seine Auferstehung feiern, aber das ist gar nicht der Punkt. Mir ist aufgefallen, dass die Texte größtenteils aus der Perspektive Jesu erzählt sind. Jesus zeigt sich nach der Auferstehung seinen Jüngern und erklärt ihnen alles. Als Zuhörer/Leser wissen wir schon, was passiert ist, aber wir erleben direkt die ersten Reaktionen mit. Und das ist in allen Fällen große Freude. Wie cool ist das denn. Wenn man sich auf die Geschichten einlässt, dann kann man nachempfinden, wie Jesus sich gefühlt haben muss, als den Leuten klar wurde, was er ihnen die ganze Zeit vermitteln wollte. Stellt euch vor, ihr habt großartige Neuigkeiten und erzählt sie eurem besten Freund. Ist doch wunderbar, wenn der sich dann so richtig darüber freut.

Genau um dieses Gefühl geht es. Egal, ob man an die Auferstehung glaubt oder nicht, gefreut haben wir uns doch alle schonmal über etwas. Diese Freude können wir schon durch Kleinigkeiten weitergeben. Das kann ein Geschenk für die Liebsten zum Osterfest sein, aber auch ein freundliches Lächeln für die Kassiererin im Supermarkt oder ein tröstendes Wort in schweren Zeiten. Überall da, wo wir einem Menschen Freude schenken, ist Ostern. Halleluja.

Montag, 10. April 2017

{Rezension} Irgendwie hatte ich mir das anders vorgestellt

Schon einmal hat mich ein Buch von Mhairi MacFarlane zutiefst berührt. Mit ihrem aktuellen Roman hat sie es wieder geschafft, mich in ein Gefühlchaos zu stürzen. Auf eine gute Weise.









Schon länger chattet Edie mit ihrem Arbeitskollegen Jack. Obwohl er verlobt ist. Auf seiner Hochzeit küsst er jedoch völlig überraschend Edie und beide werden promt von der Braut erwischt. Daraufhin ist nichts mehr so, wie es war. Edie erlebt einen Shitstorm der übelsten Sorte und will auf keinen Fall ins Büro zurück. Ihr Chef schickt sie in ihren Heimatort Nottingham, wo sie die Autobiographie eines berühmten Schauspielers schreiben soll. Nach anfänglichen Schwierigkeiten ist dieser auch recht sympathisch. Nur Edies Familie will sich über ihre dreimonatige Anwesenheit einfach nicht freuen.








Nach der anfänglichen Aufregung ist die Handlung eher ruhig gehalten. Es geht vor allem um die kleinen Alltagssituationen, in denen sich zeigt, wer man wirklich ist. Dabei war es trotzdem spannend, einfach weil der Schreibstil mich so wunderbar in die Geschichte hineingezogen hat.
Die Autorin muss einen sehr großen Wortschatz besitzen, der auch in der Übersetzung nicht verloren geht. Dazu mischt sie einen feinen Humor, der mit der Sprache spielt und mich oft zum Schmunzeln bringen konnte.
Die ganze Zeit über habe ich mich Edie unheimlich nah gefühlt und viel mit ihr gelitten. Sie ist sehr emotional, was für mich manchmal ein bisschen anstrengend war. Wenn sie wütend wird, kann sie sich sehr gut in dieses Gefühl hineinsteigern. Als ich noch etwa 80 Seiten vor mir hatte, gab es in meinem Leben etwas, das mich selbst sehr wütend machte. Plötzlich konnte ich Edie total gut verstehen. Anscheinend war ich vorher einfach nicht in der richtigen Stimmung gewesen.
Die Geschichte ist komplett aus Edies Sicht erzählt, sodass wir alle Figuren mit ihren Augen sehen. Das führt zwar zu einer gewissen Voreingenommenheit, gleichzeitig merkt man aber auch, dass Edie bemüht ist, in den Menschen zuerst das Gute zu sehen. Deshalb gibt es auch eine ganze Reihe liebenswürdiger Charaktere, von den offensichtlichen Bösewichtern mal abgesehen. Es ist ein bisschen wie im echten Leben; es gibt zwar haufenweise tolle Menschen, aber wenn man nicht aufpasst, können ein paar miese Typen alles kaputt machen.
Mich hat irritiert, dass Lucie anfangs "Evie" und später auch "Lewis" sagt. Macht sie diesen Fehler absichtlich oder hatte die Autorin die richtigen Namen nicht parat? Es wird jedenfalls mit keinem Wort darauf eingegangen, sodass es irgendwie verständlich geworden wäre.
Das Ende hat mir überhaupt nicht gefallen. Es ist leider nicht nachvollziehbar, wie die letzten und wichtigsten Entscheidungen hier getroffen werden. Vielleicht hören manche an dieser Stelle auch meinen jugendlichen Leichtsinn heraus, aber ich hätte sicher anders gehandelt. Nachdem ich im ganzen Buch mitgefühlt habe, war ich hier komplett raus und wollte die Protagonisten am liebsten schütteln, damit sie zur Besinnung kommen. Selbst der Epilog konnte mir keine wirkliche Erleichterung bringen, weil für meinen Geschmack zu viel offen bleibt, auch wenn man erahnen kann, was die Autorin andeuten wollte.
Mir hat gut gefallen, dass es hier nicht ausschließlich um eine Liebesgeschichte geht. Bevor ein Happy End überhaupt realistisch wird, muss Edie erst einmal lernen, mit Schuldgefühlen und Anfeindungen umzugehen, und zwar in mehr als einer Hinsicht. Sie macht Fehler und lernt daraus. Es geht eigentlich viel mehr darum, mit seinem Leben klarzukommen, mit den Dingen, die man nicht ändern kann, und den Rest selbst in die Hand zu nehmen. Es geht zwar auch um Liebe, aber vor allem in ihrer Unberechenbarkeit, in der Wucht, mit der sie über uns hinwegfegt, ohne dass wir uns wehren können.








Dieses Buch hat mich so viel fühlen lassen, dass ich gar nicht weiß, ob ich es schön oder traurig finden soll. Es lohnt sich auf jeden Fall zu lesen, schon weil der Schreibstil so bezaubernd ist.

Freitag, 7. April 2017

Cold Reset - Was ist ein writers room?

Ich habe euch ja schon ausführlich den Thriller "Cold Reset" vorgestellt und dabei angedeutet, dass dieses Buch nicht wie alle anderen in den kreativen Untiefen eines Autors entstanden ist. Auf der Leipziger Buchmesse durfte ich ein Bloggertreffen mit Markus Stromiedel besuchen. Er ist verantwortlich für die ganze Geschichte und hat uns einiges über den Entstehungsprozess verraten.


Markus Stromiedel arbeitet hauptsächlich als Drehbuchautor. Bei großen Serien muss oft jeden Tag eine neue Folge geschrieben werden. Das kann einer alleine gar nicht schaffen. Dafür gibt es dann einen sogenannten writers room. Ein Team aus Autoren überlegt sich gemeinsam die Handlung. Anschließend schreibt jeder eine oder mehrere Episoden und ein Headautor achtet darauf, dass alles zusammenpasst. Neun Wochen dauert es im Schnitt von der Idee zum fertigen Drehbuch.
Dieses Prinzip wollte Stromiedel nun auf einen Roman übertragen. Schließlich kann es nicht sein, dass der Schreibprozess so lange dauert, dass aktuelle Themen schon fast wieder verjährt sind. Lübbe ging auf den Vorschlag ein und stellte die Räumlichkeiten zur Verfügung. Stromiedel hatte bereits vier Kollegen im Sinn, von denen er dachte, dass sie gut zu seinem Projekt passen würden. Alle sagten zu. Wichtig bei deren Auswahl war vor allem, dass sie kommunikativ waren (schließlich ging es um Teamarbeit), nicht eitel (Ideen konnten ständig verworfen werden) und bereit, jeden Tag diszipliniert zu arbeiten. Überraschenderweise kam es nur in der ersten Woche zu Reibungen untereinander, die schnell geklärt werden konnten.
Mit diesen Voraussetzungen konnte es losgehen. Der Ausgang war völlig offen. Von der Handlung stand nur fest, dass jemand in einem Auto aufwacht, das gerade im Wasser versinkt. Er kann sich an nichts erinnern, aber sein Handy sagt ihm, dass er laufen soll. Alles weitere wurde in den ersten zwei Wochen gemeinsam überlegt und geplottet. Die einzelnen Charaktere entstanden und es wurde gründlich Recherche betrieben, damit man glaubwürdig bleibt.
Danach kehrte Ruhe ein im writers room. Die Diskussionen waren vorbei, es ging ans Schreiben. Jeder musste zwei Kapitel pro Tag fertig bekommen, um die Deadline einzuhalten, immerhin war der Plot auf 100 Kapitel angelegt. Stromiedel als Headautor hatte die Aufgabe, alles zu lesen und darauf zu überprüfen, ob es in den gewünschten Roman passte. Schwierig war hier vor allem, den vorher besprochenen Schreibstil einzuhalten, sowie die Orientierung innerhalb der Handlung, da jeder Autor an einer anderen Stelle zu schreiben begonnen hatte. Die Menge an Text führte schlussendlich dazu, dass er in Verzug geriet.
Nach fünf Wochen waren alle Kapitel geschrieben und die Autoren verabschiedeten sich wieder in ihr eigenes Leben. Stromiedel blieb, um die Überarbeitung fertig zu stellen und einzelne Passagen zu korrigieren oder zu ergänzen.
Das Lektorat konnte ebenfalls schneller durchgeführt werden als üblich, sodass es ungefähr ein Vierteljahr brauchte, bis das Buch zur Erscheinung bereit war. Mit einem engagierten Team ist es also durchaus möglich, einen Roman zu aktuellen Ereignissen auch zeitnah zu veröffentlichen.


Das Buch zeichnet sich durch einen rasanten und fesselnden Schreibstil statt. Auf ausführliche Beschreibungen wurde verzichtet, lediglich die wichtigen Details sind genannt. Der Rest bildet sich automatisch im Kopf des Lesers. Wie ein Film zieht die Handlung vorbei und viel zu schnell ist man auf der letzten Seite angelangt. Wegen seiner kurzen Kapitel ist der Thriller auch gut für unterwegs geeignet, obwohl ich bald so gepackt war, dass ich ihn nach der Viertelstunde Bahnfahrt nicht mehr aus der Hand legen wollte.
Die Themen sind aktuell und regen zum Nachdenken an. Es geht nicht nur darum, actionreich unbekannten Verfolgern zu entkommen, sondern auch um die Frage, was die Wissenschaft darf. Wie weit darf man für den Fortschritt gehen und was passiert, wenn neue Technologien in den falschen Händen landen? Große moralische Fragen werden hier aufgeworfen, aber die Antworten bleiben individuell. Wer hier am Ende der Böse ist, muss sich erst noch zeigen.


Einen ausführlichen Bericht zu den Erfahrungen im writers room gibt es auch direkt von Markus Stromiedel.

Dienstag, 4. April 2017

{Leseliste} April

Für diesen Monat habe ich mir relativ viel vorgenommen, aber ich werde auch (zumindest theoretisch) viel Freizeit haben. Ich müsste sie nur zum Lesen nutzen. Aber das Problem kennt ihr sicher.


Corrinne Jackson - Touched - Band 2 (und 3)
Cecelia Ahern - Perfect
Sina Müller - Josh und Emma - Dilogie
Erin Watt - Paper Princess
Abbi Waxman - Gegen Liebe ist kein Kraut gewachsen
Mhairi MacFarlane - Irgendwie hatte ich mir das anders vorgestellt

Damit werde ich diesen Monat hoffentlich ein paar "Reihen" abschließen. Jane Austens "Stolz und Vorurteil" möchte ich ebenfalls noch beenden, auch wenn es mich bisher nicht packen konnte. 

Kennt ihr einige der Bücher? Was habt ihr davon schon gelesen?
Lasst mir auch gern eure Leselisten da, dann komme ich stöbern!

Freitag, 31. März 2017

{Gelesen} März

Diesen Monat war ich ausgesprochen leseproduktiv, obwohl es mir zwischendurch gar nicht so vorkam. Ich hab ganze acht Bücher geschafft. Die Sache mit der Leseliste funktioniert im Prinzip gut, jetzt muss ich nur noch öfter meinen Schweinehund überwinden und tatsächlich die Bücher lesen, die ich mir vorgenommen habe. Meine Alternativen sind nämlich auch nicht besser.

Zur Erinnerung; diese Bücher wollte ich im März lesen:


Dani Atkins - Der Klang deines Lächelns
Jane Austen - Stolz und Vorurteil
Corrine Jackson - Touched (Trilogie)

"Touched" ist hier in der völlig falschen Reihenfolge, was mich total verwirrt hat, als ich dann anfangen wollte, es zu lesen.

Tatsächlich sind es dann diese Bücher geworden:


Cammie McGovern - Amy & Matthew
John Green - Das Schicksal ist ein mieser Verräter
Erin McCarthy - True - Wohin du auch gehst
Noah Alexander - Cold Reset
Cora Cormack - Finding it
Corrine Jackson - Touched 1
Anne Harenberg - Schwiegermutter inklusive
Renée Ahdieh - Rache und Rosenblüte

Außerdem habe ich "Stolz und Vorurteil" begonnen, aber es wird mich wohl noch eine Weile begleiten, bis ich irgendwann durch bin.

Mit diesem Ergebnis bin ich ganz zufrieden. Es sind fast so viele Bücher wie durch die Messe neu eingezogen sind. Vor allem aber habe ich endlich mal ein paar SuB-Leichen befreit. Hoffentlich klappt das im nächsten Monat auch so gut.

Abschließend noch meinen Top und Flop des Monats. Hier war es wieder sehr schwer, mich auf ein Top-Buch zu beschränken, aber ich glaube dieses hier hat noch ein bisschen Aufmerksamkeit verdient:



Noah Alexander - Cold Reset
Atemberaubend spannender Thriller, der mit Geschwindigkeit und detailgenauer Logik überzeugt. 

John Green - Das Schicksal ist ein mieser Verräter
Obwohl sehr gehypt, konnte mich dieses Buch nicht überzeugen. Es ist sehr ruhig und vorhersehbar. Die Emotionen konnten mich leider nicht erreichen.

Dienstag, 28. März 2017

{LBM17} Messerückblick

Auch dieses Jahr war die Leipziger Buchmesse wieder viel zu schnell vorbei. Ich habe ein paar neue Leute kennen gelernt und vor allem ganz viele Freunde getroffen. Außerdem konnte ich ein paar Bücher mitnehmen, die für mich absolute MustHaves sind. Alles in allem also eine erfolgreiche Messe.

Verlagsstand Droemer Knaur
Gemeinsam mit Luise hatte ich mehrere Verlagstermine, um schon mal einen Einblick in die Herbstprogramme zu bekommen. Da sind einige interessante Neuerscheinungen dabei. Mein Wunschzettel ist auf jeden Fall gewachsen und einen Teil davon werde ich sicher auch für euch rezensieren.

Verlagsstand Bastei Lübbe
Ich hatte auch Zeit, ein paar Veranstaltungen zu besuchen. Besonders unterhaltsam waren die Poetry-Slam-Lesungen von Jan Philipp Zymny und Sebastian23. Sonst schaue ich sowas immer auf Youtube. Sonst noch jemand?
Außerdem war ich bei einem Gespräch zu Fitzeks neuem Thriller "AchtNacht". Hier sind besonders die massenpsychologischen Überlegungen spannend. Ich hoffe, dass ich bald dazu komme, das Buch zu lesen, immerhin subt es schon.

Jan Philipp Zymny
Am Samstag war das Lovelybooks Leser- und Bloggertreffen, bei dem Anne Freytag von ihrem neuen Buch erzählt hat. Dort gab es nicht nur tolle Goodietüten, sondern auch Gelegenheit, mit anderen Leseratten ins Gespräch zu kommen.


Insgesamt habe ich 11 Bücher und ein wunderschönes Büchertagebuch mitgebracht. Ein paar davon sind Rezensionsexemplare, zu denen ihr bald mehr erfahrt. Ich freue mich schon sehr darauf, meine Schätze zu lesen. In einer perfekten Welt wäre die gesamte Woche nach der Messe Dauerregen, damit man viel Zeit zum Lesen hat (und natürlich bezahlter Urlaub für alle, die arbeiten müssen).
Kennt ihr etwas aus dem Stapel? 
Lasst mir auch gern eure Messeberichte da, dann gehe ich stöbern.

Mittwoch, 22. März 2017

{Rezension} Cold Reset - Erinnern ist tödlich

Bevor ich zur Buchmesse fahre und dort einen der Autoren dieses spannenden Thrillers treffen darf (Noah Alexander ist ein Pseudonym, dahinter steckt ein interessantes Experiment, aber davon später mehr), möchte ich euch noch diese Rezension zeigen.








Stell dir vor, du wachst auf und kannst dich an nichts mehr erinnern. So geht es Ben, der gerade mit einem Auto im Fluss versinkt, ohne zu wissen, wie er dahin gekommen ist. Sein einziger Anhaltspunkt ist ein Handy, das er bei sich trägt. Dort geht eine SMS ein: "Lauf, Ben, lauf!" Und so läuft er, quer durch Europa, denn seine Verfolger sind immer knapp hinter ihm. Dabei versucht er, möglichst viele Informationen über sich zu gewinnen. Wer ist er wirklich? Wer hat sein Gedächtnis gelöscht? Und warum wird er gejagt?








Während seiner rasanten Flucht begegnet Ben unterschiedlichen Leuten. Nicht alle sind ihm natürlich positiv gesinnt, aber zu meiner Überraschung haben sich doch einige Helfer gefunden, die ihm seine Geschichte glauben und nicht an seinen guten Eigenschaften zweifeln. Immerhin könnte er alles mögliche getan haben. Dann ist da natürlich noch der Unbekannte, der ihm am Anfang mehrere SMS schreibt, um ihn zum sogenannten Safe House zu lotsen. Danach hören wir von ihm lange nichts mehr, bis am Ende schließlich alles aufgeklärt wird. Diese SMS haben mir das größte Rätsel aufgegeben.
Von Anfang an ist die Geschichte sehr spannend und sie kommt auch zwischendurch nicht zur Ruhe. Immer, wenn man meint, Ben wäre jetzt ein Stück weiter, tauchen entweder neue Probleme auf oder die Verfolger stehen mal wieder vor der Tür. Die scheinen nämlich über Mittel und Wege zu verfügen, ihn überall aufzuspüren. Bis zum Schluss ist nicht sicher, wer diese Geschichte überleben wird. Auch die Zusammenhänge zwischen den Figuren und Ereignissen ergeben sich nicht immer sofort. Dafür hatte ich zunehmend mehr Fragen und musste auf manche Antworten sehr lange warten. Zwar wird am Ende alles erklärt, aber hier hätte man ruhig noch ein paar Worte mehr verlieren können. Da sind die Geschehnisse dann doch ziemlich knapp zusammengefasst.
Der Schreibstil war für die Geschichte passend. Die Kapitel sind kurz, enden aber fast immer mit einem Cliffhanger, sodass man das Gefühl hat, schnell voranzukommen, aber nicht aufhören kann zu lesen. Auch die Sätze sind kurz und leicht verständlich. Dadurch ließ sich das Buch locker lesen und ich bin nicht hängengeblieben, was mich aus der spannenden Atmosphäre herausgerissen hätte.
Ben war eine faszinierende Hauptfigur. Da er sich an gar nichts erinnern kann, aber immer aus seiner Sicht erzählt wird, kann der Leser gemeinsam mit ihm das Geheimnis Stück für Stück aufdecken. Es passieren aber eben auch viele Dinge, die erstmal nicht verständlich sind. Ich konnte mich nicht mit Ben identifizieren wie mit anderen Protagonisten, weil anfangs nicht viel von ihm da war. Je länger er unterwegs ist, desto mehr entwickelt er jedoch eine Persönlichkeit, auch ohne seine Vergangenheit zu kennen. Das fand ich unglaublich interessant, schließlich hat er keine Ahnung, was für ein Mensch er früher war. Er ist wie das Meer; die Oberfläche erscheint gleichmäßig und man kann nicht sehen, welche Untiefen sich darunter verbergen. Ganz tief unten ist es so dunkel, dass er nicht mal selbst weiß, was sich dort verbirgt. Und wenn etwas daraus hervorkommt, dann sind alle überrascht.
Vielleicht verbirgt sich hinter all der Action eine tiefere Botschaft. Für mich geht es in diesem Buch auch um die Suche nach sich selbst, nach dem, was mich wirklich ausmacht, und um die Kraft zur Veränderung, die uns oft fehlt. Manchmal müssen wir etwas altes hinter uns lassen, um das Leben zu führen, mit dem wir glücklich sein können. Manchmal brauchen wir Hilfe von außen, um uns selbst zu erkennen und im richtigen Licht zu sehen. Und manchmal müssen wir Fehler eingestehen, damit es weitergehen kann.
Die Autoren haben auch eine kleine Romanze eingebaut, die sich wunderbar in das Gesamtgebilde einfügt. Sie baut sich langsam auf und als die Protagonisten sich ihrer bewusst werden, ist die Liebe schon so stark, dass sie auch alles weitere überwinden kann. Ich fand es erfrischend, dass die Beziehung hier eher pragmatisch angegangen wurde und es kein langes hin und her gab. Sie tritt wenn nötig hinter die Haupthandlung zurück und lenkt auf leise Art das Handeln der Figuren.
Ein bisschen naturwissenschaftlich wird es, wenn man erfährt, wie Ben Gedächtnis gelöscht wurde und was er jetzt tun soll. Dabei haben sich die Autoren auf die Grundlagen beschränkt, diese aber verständlich erklärt. So geht die Spannung nicht verloren und man kann auch ohne besondere Kenntnisse nachvollziehen, worum es geht. Gleichzeitig erscheint alles fundiert und glaubwürdig.









Unheimlich spannender Thriller von einer Jagd quer durch Europa und der verzweifelten Suche nach der Wahrheit. Für mich aber ein Buch, das man nur einmal lesen kann, weil man danach das Geheimnis kennt. Die vielen unbeantworteten Fragen sind es, die zum Weiterlesen animieren.

Donnerstag, 16. März 2017

Eindrücke aus Rom

Ich habe euch ja erzählt, dass ich Urlaub in Rom, der ewigen Stadt, machen würde. Nun bin ich schon seit einigen Tagen wieder zurück und möchte euch ein paar Eindrücke von meiner Reise zeigen.

Es war eine Gruppenreise, organisiert von der Katholischen Hochschulgemeinde. Das bedeutet in erster Linie, dass man mit anderen Studenten unterwegs ist und jemanden dabei hat, der sich auskennt und die Tagestouren geplant hat. Irgendwie ist es dann selbstverständlich, dass man auch etliche wichtige Kirchen besucht, aber Rom hat gefühlt Tausende davon, da muss man sich ja auch ein paar anschauen, oder?
San Paolo fuori le mura (Sankt Paul vor den Mauern)

San Giovanni in Laterano (Lateranbasilika)
Natürlich gehört in einer solch weltbekannten Stadt ein bisschen Touristenprogramm dazu. Deshalb haben wir auch die absoluten Muss-Sehenswürdigkeiten abgeklappert. Man kann zwar in der Innenstadt viel zu Fuß erreichen, aber nachdem man alles gesehen hat, ist man ziemlich fertig. Dementsprechend froh war ich, wenn ich abends in mein Bett fallen konnte. Schließlich gab es ja immer noch einen nächsten Tag mit neuen Highlights.

Blick von der Kuppel des Petersdoms auf den Petersplatz
Blick von der Spanischen Treppe
Oft hatten wir auch abends Zeit, einfach nochmal allein in die Stadt zu gehen, gemütlich zu schlendern und alles in einem anderen Licht zu betrachten.

Pentagon
Petersdom
Für mich waren vor allem auch die antiken Ausgrabungen interessant. Viel Zeit haben wir auf dem Forum Romanum und an einem anderen Tag in Ostia Antica verbracht. Anhand der Mauerreste bekommt man ein gutes Bild davon, wie die Städte und Gebäude früher einmal ausgesehen haben. Ich könnte ewig dort entlanggehen und mir vorstellen, wie das Leben damals wohl gewesen war. 

Forum Romanum
Ostia Antica
Zu guter Letzt haben wir sogar den Papst gesehen. Naja, aus der Ferne, aber immerhin. Seine Ansprache haben wir zwar nicht verstanden (sie war auf Italienisch), aber das anschließende Angelus-Gebet war auf Latein, sodass wir wussten, worum es geht (und zwar nicht, weil wir so gut Latein können, sondern weil das Gebet uns bekannt war). 


Samstag, 11. März 2017

{Rezension} Forever 21 - Zwischen uns die Zeit









Ava hat große Schuld auf sich geladen. Zur Strafe muss sie nun Menschen zusammen bringen, die füreinander bestimmt sind. Dafür springt sie jedes Mal in einen anderen Körper und eine andere Zeit. Doch die Aufgabe ist nicht immer leicht. Dann lernt sie Kyran kennen. Obwohl er sie wie magisch anzieht, darf sie sich nicht auf ihn einlassen. Schließlich ist sie schon bald wieder weg...







Am Anfang fiel es mir schwer, in die Geschichte einzutauchen. Zu viele Dinge erscheinen unlogisch und verwirrend, mein Kopf war voller Fragen und Unverständnis. Nach und nach klärt sich vieles davon auf, oft auch einfach, weil man Ava eine Weile begleitet und ihre seltsame Realität kennen lernt. Die Stimme in ihrem Kopf beziehungsweise das Schicksal, dass ihr diese Strafe zugedacht hat, bleiben doch sehr mysteriös. Hier bedarf es auf jeden Fall noch einiger Erklärungen.
Der Prolog ist dagegen sehr gut geschrieben. Hier wird man direkt angesprochen und in die Rolle der Protagonistin hineinversetzt. Das hätte sich meinetwegen gern durch das ganze Buch ziehen können. Stattdessen folgen wir mit einem personalen Erzähler hauptsächlich Ava und manchmal Kyran, was immer noch eine große Nähe zu den Figuren ermöglicht.
Ich konnte mich ziemlich gut in Ava einfühlen. Das liegt aber auch daran, dass man sie nur in ihrer aktuellen Situation kennen lernt. Es wird angedeutet, dass sie bis zu diesem Punkt bereits eine Entwicklung durchgemacht hat, aber wir erfahren noch nicht, wer sie davor wirklich war. Ich bin nicht sicher, ob mir auch die frühere Ava sympathisch wäre. Doch auch innerhalb des Buches verändert sie sich weiter. Ihre Aufgaben und Erfolge wecken Mitgefühl und Selbstlosigkeit in ihr. Das hat ich das gebracht, auch mein eigenes Verhalten auf Egoismus zu untersuchen. Ich finde es gut, wenn Bücher Anstöße geben, sich und seine Welt zu hinterfragen, und Anregungen bieten, etwas zu verändern.
Als ich es dann geschafft hatte, ganz in die Geschichte einzutauchen, wurde es immer spannender. Mit jeder neuen Aufgabe habe ich ein bisschen mehr mitgefiebert. Auch die Liebesgeschichte zwischen Ava und Kyran hat dazu beigetragen, die Spannungskurve nach oben zu treiben.
Ich fand besonders eindrucksvoll, wie hier das Gefühl von wahrer Liebe, vom völligen Angekommensein, beschrieben wird. Ich behaupte ja, dieses Glück selbst schon gefunden zu haben und wurde hier bestätigt. Die hier gezeichnete wahre Liebe ist auch nicht aufdringlich oder schließt andere aus. Stattdessen leuchtet sie für ihre Umgebung und steckt alle mit ihrer grenzenlosen Freude an. Man kann bisher nur erahnen, wie Avas Vergangenheit aussah, aber es wird deutlich, dass die Liebe, die sie nun bei anderen erlebt, ihr Wesen verändert.
In diesem Buch gibt es keine großen Bedrohungen von außen. Meist stehen sich die Liebenden selbst im Weg und brauchen bloß einen Schubs, um endgültig zueinander zu finden. Doch gerade das macht das Buch so echt. Denn wer muss schon gegen Drachen kämpfen, um seinen Prinzen zu retten. Viel öfter sind es doch unsere inneren Drachen, die uns das Happy End versauen. Hier setzt Avas Aufgabe an. Sie muss den Liebenden helfen, ihre Distanz zu überwinden. Danach springt sie in einen neuen Körper. Doch so leicht, wie es jetzt klingt, ist es nicht immer. Schließlich darf niemand merken, dass plötzlich Ava die Persönlichkeit des jeweiligen Menschen ersetzt.
Einziges Manko war, dass ich zwischendurch den Eindruck hatte, die Autorin kommt selbst mit den unterschiedlichen Zeiten durcheinander. Da war dann kurz vor Silvester plötzlich von einem Februartag die Rede. Das war verwirrend, aber ich weiß nicht, ob es überhaupt jedem Leser so auffallen würde. Hier könnte ein erneutes Lektorat leicht Abhilfe schaffen.
Das Ende ist leider ein ziemlich gemeiner Cliffhanger, womit ich nicht gerechnet hatte. Aber zum Glück ist Band 2 schon in Planung.








Wer die Verwirrung am Anfang aushält, wird mit einer fesselnden Zeitreise-Liebes-Geschichte belohnt, die mehr als ein Happy End birgt.

Dienstag, 7. März 2017

{Rezension} Dear Amy









Als die 15-jährige Kathie verschwindet, geht die Polizei zuerst davon aus, der Teenager sei von zu Hause abgehauen. Schon bald verschwindet der Fall aus dem öffentlichen Interesse. Die Lehrerin Margot Lewis schreibt die Ratgeberkolumne "Dear Amy". Als sie Briefe von Bethan Avery erhält, einem Mädchen, das vor fast 20 Jahren verschwand, stellt sie sofort einen Zusammenhang zu Kathie her. Sie versucht auf eigene Faust nachzuforschen. Dabei wird auf einmal alles in Frage gestellt, was sie sich in den letzten Jahren aufgebaut hat. Gibt es womöglich eine direkte Verbindung zwischen Bethan Avery, dem Entführer und ihr?







Ich würde wetten, dass die Autorin schon etwas von Sebastian Fitzek gelesen hat. Je weiter sich die Geschichte aufgedröselt hat, desto mehr konnte ich Ähnlichkeiten im Aufbau der Figurenkonstellationen feststellen. Wenn ihr es lest, werdet ihr verstehen, was ich meine. Da ich Fitzek absolut großartig finde, ist es natürlich super, wenn ein Thriller da mithalten kann.
Das Buch fängt sofort spannend an und blieb dann auf einem relativ konstanten Level. Durch immer neue unerwartete Wendungen macht es großen Spaß, selbst mitzuraten, auch wenn man sich oft ganz neu orientieren muss. Mehrmals war ich regelrecht geschockt von den ungeahnten Entwicklungen in der Aufklärung der Fälle. Dabei treten auch zahlreiche Verbindungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart zutage.
Wir begleiten beim Lesen mehrere starke Charaktere. Da ist als erstes natürlich Margot. Sie versucht ihr Leben allein zu stemmen und ist dabei auch oft erfolgreich. Man merkt aber auch, dass sie schon einiges mitgemacht hat und nicht so stabil ist, wie sie versucht ihrem Umfeld zu vermitteln. Nach und nach wird ihre Vergangenheit aufgedröselt, aber es wird nie zu viel verraten. Sie tritt allerdings auch sehr kämpferisch auf, was mir wiederum geholfen hat, mich in sie hineinzuversetzen. Es war wirklich spannend, ihr zu folgen, aber ich fand es manchmal schwierig, ihre Handlungen logisch nachzuvollziehen. Bethans Hilferufe nehmen sie mehr mit, als man annehmen würde. Auch von Kathies Verschwinden fühlt sie sich fast persönlich betroffen.
Die zweite wichtige Figur ist Kathie. Da man als Leser dabei ist, als sie verschwindet, ist von Anfang an klar, dass sie nicht freiwillig untergetaucht ist. Doch wir begleiten sie auch während ihrer Gefangenschaft. Es war erschreckend, aber für mich als Thrillerfan auch wahnsinnig spannend, direkt mitzuerleben, was sie durchmacht. Natürlich verändert sie sich währenddessen und ist am Ende nicht mehr der Teenager, der sie zu Beginn war.
Dann gibt es da noch Martin Forrester, dessen Team sich unter anderem mit Bethans Fall beschäftigt hat. Der lässt auch die Briefe untersuchen und kommt zu dem Ergebnis, dass sie tatsächlich von Bethan Avery geschrieben sein müssen. Er hilft Margot dabei, eigene Nachforschungen anzustellen. Doch er scheint auch etwas zu verbergen. Die Interaktion zwischen ihm und Margot ist besonders interessant. Lest es, ich will nicht spoilern.
Zuletzt dürfen wir auch einen Blick in die Gedankenwelt des Täters werfen. Wie schon bei "Insomnia" von Jilliane Hoffmann war ich davon am meisten fasziniert. Wie tickt so ein Psychopath? Was geht in einem Menschen vor sich, der absichtlich junge Mädchen entführt und bei sich festhält? Es ist eine gruselige Vorstellungen, dass so jemand tatsächlich existieren könnte, vielleicht sogar im eigenen Wohnort.
Wie bei einem Puzzle bildeten sich hier aus vielen kleinen Teilen erst größere Bilder und dann ein Ganzes. Mit jedem neuen aufgedeckten Stück setzte mein Kopf sofort einen möglichen Lösungsentwurf zusammen, der dann immer wieder verändert wurde. Im Nachhinein betrachtet ziehen sich die Hinweise für des Rätsels Lösung durch die ganze Geschichte, doch sie sind so mehrdeutig, dass man sie nicht sofort erkennen kann. Letztlich hat mich die Auflösung dann doch überrascht und mir gleichzeitig die Abgründe und das Faszinosum der menschlichen Psyche gezeigt.







Ein Thriller, der mich in Atem gehalten hat. Kurzweilig und voller überraschender Entdeckungen vertreibt er spielend die Langeweile.

Samstag, 4. März 2017

{Leseliste} März

Im März bin ich viel unterwegs, deshalb habe ich mir da hauptsächlich eBooks rausgesucht. Diese Bücher möchte ich gern lesen:


Dani Atkins - Der Klang deines Lächelns
Jane Austen - Stolz und Vorurteil
Corrine Jackson - Touched (Trilogie)

Zwei der Bücher habe ich aus dem Februar mitgenommen, weil ich sie da nicht geschafft hatte. "Touched" wurde mir empfohlen und deshalb soll es nun endlich vom SuB verschwinden. Diesmal bin ich etwas sparsamer, weil ich weiß, dass ich mit Urlaub und Buchmesse eher wenig zum Lesen kommen werde.

Mittwoch, 1. März 2017

{Rezension} Des Teufels Gebetbuch

Dieses Buch müsst ihr unbedingt lesen! Würde ich Sterne vergeben, hätte es einen ganzen Sternenhimmel verdient. Allein die Optik ist fantastisch. Das kann man nicht mit Bildern darstellen, das muss man fühlen.









(Klappentext) Der ehemalige Spieler Tadeus Boch gelangt in Baden-Baden in den Besitz einer mysteriösen Spielkarte aus einem vergangenen Jahrhundert. Alsbald gerät er in einen Strudel unvorhergesehener und mysteriöser Ereignisse, in dessen Zentrum die uralte Karte zu stehen scheint. Die Rede ist von einem Fluch. Was hat es mit ihr auf sich? Wer erschuf sie? Gibt es noch weitere? Wo könnte man sie finden? Dafür interessieren sich viele, und bald wird Tadeus gejagt, während er versucht, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Plötzlich steigt der Einsatz: Es ist nicht weniger als sein eigenes Leben.







Nachdem ich die Leseprobe gelesen hatte, habe ich sehnsüchtig auf dieses Buch gewartet. Es trifft hundertprozentig meinen Geschmack und Markus Heitz gehört sowieso schon zu meinen Lieblingsautoren. Meine Erwartungen wurden mehr als erfüllt, deshalb wird diese Rezension ziemlich euphorisch.
Von der ersten Seite an war die Spannung sehr hoch. Dabei blieb es auch, durchbrochen von mehreren Höhepunkten, die sich schließlich im finalen Showdown bündelten. Der Autor versteht es, durch seinen Schreibstil emotionale Verbundenheit mit den Protagonisten zu schaffen und so die Grenze zwischen Realität und Fiktion zu verwischen. Ich war so in der Geschichte gefangen, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Dementsprechend schnell war ich mit den gut sechshundert Seiten durch.
Wir dürfen hier wieder mehrere Figuren bei ihrem Tun begleiten. Unterschiedliche Handlungsfäden werden aufgenommen und stückweise miteinander verknüpft. Alles dreht sich um die Karten und so ist es nicht verwunderlich, wenn die zunächst unabhängigen Personen irgendwann aufeinander treffen und so nach und nach Licht ins Dunkel bringen.
Die Hauptfigur ist Tadeus Boch, der durch seine Spielsucht in die Insolvenz abgerutscht ist und nun sein Leben wieder auf die richtige Bahn führen will. Als ihm jedoch unverhofft eine alte Spielkarte in die Hände fällt, ist er sofort von ihrem Geheimnis fasziniert. Gemeinsam mit Hyun Poe, deren Verlobter bei einer Partie illegalem Glücksspiel ums Leben kam, macht er sich auf die Suche. Schon bald geraten sie in Ereignisse, die sie sich so niemals vorgestellt hätten. Zwischen einem russischen Gangsterboss und einem Sammler, der vor nichts zurückschreckt, finden sie sich plötzlich auf der Jagd nach den übrigen Karten des Decks wieder. Dabei ist es interessant zu beobachten, wie beide sich angesichts der Bedrohungen verändern und welche Fähigkeiten in ihnen schlummern. Auch die Karten haben hier ihre Finger im Spiel.
Das Buch nimmt uns mit auf eine Reise durch die Welt, bei der wir nicht nur unterschiedlichste Menschen und Kulturen kennen lernen, sondern auch etwas über die Historie der Orte erfahren. Zwischen den einzelnen Kämpfen wird so die Suche auf wunderbare Weise ausgestaltet.
Außerdem gibt es zwischendurch immer wieder Kapitel, die im 18. Jahrhundert spielen. Hier erfahren wir, wie das in der Gegenwart verbissen gesuchte Kartenspiel entstanden ist und erhalten Einblicke in das alte Leipzig und die Druckkunst. Goethes Faust ist hier ebenfalls geschickt eingebunden, auch wenn er damals noch nicht geschrieben war. Wer sucht, kann sogar kleine Zitate finden. Leider ist nicht erklärt, wie Superieur entwickelt wurde. Dieses tödliche Spiel hat der Autor extra für das Buch konzipiert und es findet auch reichlich Anwendung. Die genauen Regeln sind im Anhang erklärt.
Für alle Geschichtsinteressierten gibt es noch einen gut recherchierten Anhang, der die Entwicklung des Kartenspiels übersichtlich darstellt.








Ich habe dieses Buch verschlungen und kann es wirklich nur empfehlen. Es ist wahnsinnig spannend geschrieben und bietet einen eindrucksvollen Mix aus historischen und fiktiven Details.

Dienstag, 28. Februar 2017

{Gelesen} Februar

Also halten wir fest: Mein Plan ist nur teilweise aufgegangen. Ja, ich habe oft halbe Tage nur mit Lesen verbracht, aber es ist auch so viel anderes passiert, dass ich trotzdem meine Ziele nicht geschafft habe. Das ist aber nicht so schlimm. Mich haben auch während des Monats noch Bücher erreicht, deshalb habe ich nicht alles gelesen, was ich mir vorgenommen habe, und dafür anderes eingeschoben.
Hier nochmal zur Erinnerung die Bücher, die ich mir vorgenommen hatte:


Jane Austen - Stolz und Vorurteil
Cecelia Ahern - Flawed
Monica Murphy - sisters in love - so hot/Violet
Dersch, Daniel - Gottes letzter Plan
Ally Taylor - New York Diaries - Claire
Scott Bergstrom - Cruelty 
Dani Atkins - Der Klang deines Lächelns
Helen Callaghan - Dear Amy

Tatsächlich gelesen habe ich nun diese Bücher. Es waren diesmal erstaunlich viele Prints dabei.


Cecelia Ahern - Flawed
Monica Murphy - sisters in love - so hot/Violet
Helen Callaghan - Dear Amy (Rezi kommt am 6.3.)
Markus Heitz - Des Teufels Gebetbuch (Rezi kommt am 1.3.)

Die nächsten Tage bin ich im Urlaub in der ewigen Stadt. Damit ihr zwischendurch trotzdem was zu lesen habt, werden noch die angekündigten Rezensionen und vielleicht ein paar andere Beiträge dazwischen erscheinen.

Natürlich darf der Top und Flop des Monats nicht fehlen.


Markus Heitz - Des Teufels Gebetbuch
Davon war ich absolut begeistert! Nachdem ich sehnsüchtig darauf gewartet habe, wurde das Buch in wenigen Tagen gelesen und meine Erwartungen mehr als erfüllt. Das ist Fantasy voll Spannung und Mystik.



Eigentlich fand ich kein Buch ganz schlecht, deshalb hier das, welches ich am ehesten abgeben würde.


Scott Bergstrom - Cruelty
Nicht ganz glaubwürdiger Action-Thriller, der mit einer jugendlichen Heldin daherkommt, deren Persönlichkeit im Laufe der Geschichte völlig verändert wurde.