Mittwoch, 20. September 2017

{Rezension} Mr. President - Macht ist sexy








Matt hat erlebt, was es bedeutet, wenn der eigene Vater Präsident der USA ist. Doch Lawrence Hamilton wird erschossen und Matt zieht sich aus dem Presserummel zurück. Jahre später kandidiert er selbst für das höchste politische Amt - als unabhängiger Kandidat. Dank seines Charismas und seiner Entschlossenheit gewinnt er die Herzen der Bürger. Auch die junge Charlotte, die er persönlich in sein Wahlkampfteam geholt hat, lässt er nicht kalt. Es entspinnt sich eine Romanze, die nicht sein darf. Aber gegen die Liebe ist selbst ein zukünftiger Präsident machtlos.







Matt ist unheimlich charismatisch, leidenschaftlich und entschlossen. Schon mit seinem ersten Auftreten hat er mich restlos begeistert. Wenn ich Amerikanerin wäre, würde ich ihm meine Stimme geben. Er hat mich mit seiner aufrichtigen Anteilnahme am Geschick der Bürger und seinem Streben nach einem Wandel, der allen hilft, für sich eingenommen. Einen solchen Politiker könnte die Realität auch vertragen.
Doch natürlich ist das hier vornehmlich eine Liebesgeschichte. Ich konnte total verstehen, warum Charlotte von Anfang an von Matt fasziniert ist und trotz aller Gefahren nicht loslassen kann. Immer wieder wird betont, wie heiß er ist und was er in ihr auslöst, sodass ich da sehr gut mitfühlen konnte. Selbst wenn eigentlich gerade gar nichts zwischen den beiden passiert, liegt immer eine knisternde Spannung in der Luft, der man sich als Leser nicht entziehen kann.
Nichts desto trotz bot die Geschichte einen interessanten Einblick in den amerikanischen Wahlkampf, der deutlich härter geführt wird als hierzulande. Das politische Geschehen bietet eine gute Kulisse und ist durchdacht ausgearbeitet, aber so weit heruntergebrochen, dass wohl jeder versteht was passiert, man aber nicht zu sehr darauf fokussiert wird. Die Autorin hat hier ein perfektes Maß gefunden, um den roten Faden in der Liebesgeschichte zu belassen, aber eine komplett neue Atmosphäre dafür anzubieten.
Es gibt einige tolle Szenen zwischen Matt und Charlotte, die ihr Verhältnis deutlich machen. Dabei waren die Gefühle immer so gut beschrieben, dass ich mich in sie hineinversetzen konnte. Vor allem der innere Kampf zwischen Liebe und Verantwortung war für mein Empfinden perfekt umgesetzt. Matt möchte keiner Frau das antun, was seine Mutter als First Lady durchmachen musste. Doch Charlotte kann er einfach nicht aus seinen Gedanken vertreiben, obwohl seine Präsidentschaft für das Land so wichtig ist. Charlotte empfindet ebenfalls eine große Leidenschaft für Amerika, aber eben auch für Matt. Sie weiß, dass sie ihn nie ganz haben kann, aber sie kann auf die Momente mit ihm nicht verzichten. Hinzu kommt, dass ihre Affäre einen Skandal darstellen würde, der Matt die Wahl kosten könnte. Wie kann Matt sie beschützen und sich trotzdem holen, was er so dringend braucht?
Natürlich dürfen in dieser Geschichte die erotischen Szenen nicht fehlen. Zwar sind bereits kleine Berührungen sehr intensiv geschildert, aber auch das große Verlangen kommt nicht zu kurz. Die Worte sind so gewählt, dass das Kopfkino angeschmissen wird und man die Begegnungen der beiden selbst fortführt. Wer allerdings kein Bettgeflüster mag, dem wird es in diesem Buch zu viel sein. Die Story strebt zwar immer voran und es gibt noch mehr Handlung als nur die Sexszenen, aber sie sind eben doch zahlreich vorhanden und lassen sich nicht so einfach überlesen.
Die Geschichte ist aus der Sicht von Charlotte erzählt, nur ab und zu sind Kapitel von Matt geschrieben, die aber wenig Handlung beinhalten. Hier erfährt man nur, dass er ebenso verrückt nach Charlotte ist, wie sie nach ihm. Dadurch konnte ich mich aber gut in Charlotte hineinversetzen und mit ihr mitfühlen und mich mitverlieben. In vielerlei Hinsicht konnte ich mich mit ihr identifizieren.
Immer wieder wird der Kontrast zwischen männlich und weiblich herangezogen, wenn Charlotte Matts Aussehen und Verhalten sowie ihre Reaktion darauf beschreibt. In diesem Falle fand ich das sehr gelungen, weil damit ihre Gegensätzlichkeit als notwendiger Ausgleich hervorgehoben wird. Sie sind wie zwei Pole eines Magneten. Dennoch wird Weiblichkeit nicht mit Schwäche und Unterlegenheit assoziiert. Beide erweisen sich als starke Persönlichkeiten, die wissen, was sie wollen, und bereit sind, dafür einzustehen. Beide sind begabt und intelligent, haben jedoch auch ihre je eigenen Talente. In Zeiten von Feminismus und Genderdebatten kann man hier sehen, dass männlich und weiblich zwei Pole sind, die beide für ein funktionierendes Gleichgewicht unverzichtbar sind. Stärke und Einfühlungsvermögen, Intelligenz und Tatkraft sind nichts, was nur einem Geschlecht zukommt. Dennoch ist es okay, sich in bestimmten Momenten besonders männlich oder weiblich zu fühlen. Charlotte zeigt, dass eine Frau erfolgsorientiert sein darf und sich trotzdem in die Arme eines Mannes fallen lassen kann.
Das Ende könnte nicht passender sein - und lässt einen doch frustriert zurück. Nach dieser Geschichte kann ich nicht sofort eine andere beginnen, weil sie mich so in ihren Bann gezogen hat, dass ich erstmal wieder in die Realität finden muss. Zum Glück gibt es noch einen zweiten Teil, der im Januar 2018 erscheint.








Eine prickelnde Liebesgeschichte vor der großartigen Kulisse des Weißen Hauses. Romantik, Erotik, ein Mann zum Verlieben und eine Frau, die jeden mitreißt. Absolute Empfehlung für alle Fans dieses Genres.

Donnerstag, 7. September 2017

{Rezension} Amnesia

Bei diesem Buch tut es mir wirklich leid, keine positive Rezension schreiben zu können, weil der Klappentext so spannend klang. Aber wenn ich damit jemanden von einem Fehlkauf bewahren kann, ist es das wert. Unter meinen Rezensionen finden sich stattdessen auch einige wirklich lesenswerte Thriller.








Helen hat Krebs und keine Aussicht mehr auf Heilung. Gegen die ständig wiederkehrenden Panikattacken nimmt sie starke Medikamente. Ihre Familie weiß noch nichts von ihrer Krankheit. Als ihr Partner sie verlässt, beschließt sie spontan, zu ihrer Mutter zu fahren. Doch mit Leon, dem Ehemann ihrer Schwester Kristin, gerät sie immer wieder aneinander. Damals gab es ein einschneidendes Erlebnis mit ihrer Jugendfreundin Gela, das Helen einfach nicht vergessen kann. Plötzlich wird Leon ermordet aufgefunden und Helen fehlen jegliche Erinnerungen an den besagten Zeitraum.







Man erfährt direkt zu Beginn von Helens Krankheit und den Medikamenten. Schon bald wird auch klar, dass sie bereits abhängig ist und viel zu große Dosen einnimmt. Die Folge sind immer häufigere Erinnerungslücken. Da nur aus ihrer Sicht geschrieben ist, fehlen dem Leser natürlich die entsprechenden Puzzlestücke und manchmal ist die Erzählung etwas wirr. Helen selbst bleibt blass, erzählt nur das wenige von sich, das direkt mit der Handlung zu tun hat, und gibt keine Einblicke in ihre Gefühlswelt, die sie verständlicher machen könnten. Nur ihre Todesangst wird dauernd ausgebreitet, ist aber für jemanden, der diese Situation nicht kennt, kaum nachzuvollziehen.
Ansonsten passiert erstmal nicht viel. Sie fährt in den Ort ihrer Kindheit, um dort auf ihre Mutter zu treffen, die ihr wie erwartet höflich, aber kühl begegnet. Ihre Schwester dagegen scheint sich über den unerwarteten Besuch zu freuen und nimmt Helen bereitwillig bei sich auf. Immer wieder streitet sie sich lautstark mit ihrem Ehemann, doch Helen gegenüber beteuert sie, dass sie sich lieben. Nach und nach wird detailreicher erklärt, was eigentlich seit dem ersten Erinnerungsfetzen klar war; Leon hat Gela als Jugendlicher geschlagen und vergewaltigt. Niemand war dabei, aber als beste Freundin glaubt Helen ihr natürlich. Einen Prozess gab es damals nicht. Allerdings war Gela danach in Therapie und trinkt seitdem. Der Kontakt zwischen den Mädchen ist abgebrochen. Sie taucht auch nur einmal persönlich in der Geschichte auf und das ist wenig spektakulär. Stattdessen bekommt Helen durch einen Zufall wieder Kontakt zu deren Bruder Martin und die beiden bauen wieder eine Freundschaft auf. Martin macht aber nicht viel außer Zuhören.
Es dauert ganze 140 Seiten bis Leon endlich stirbt. Man könnte denken, jetzt müsste die Story doch endlich Fahrt aufnehmen, aber dem ist leider nicht so. Der Schreibstil und der Aufbau der Handlung waren einfach so langatmig und unspannend, dass ich kein Bedürfnis hatte, weiterzulesen.
Ein wichtiges Element war ein Messer, dass Helen von Anfang an dabei hatte. Sie findet es bei ihrer Ankunft in ihrer Handtasche und später bezeugt es als Tatwaffe ihre Beteiligung an Leon Tod. Hier wäre sicher noch einiges an Spannung zu holen gewesen. Leider geht die Autorin kaum darauf ein, sodass man sich als Leser zwar schon seine Gedanken machen kann, aber nicht muss, weil das Messer keine so große Rolle spielt wie es müsste, wenn es wichtig wäre. Als am Ende alles aufgelöst wird, ist es eher ein "War doch klar" als ein "Was? Echt jetzt?". Genauso verhält es sich mit Helens Tagebuch, in das sie jeden Abend notiert, woran sie sich noch erinnern kann. Morgens wundert sie sich oft über das Geschriebene, aber die Worte selbst kommen leider kaum mal vor, sodass man als Leser wieder nichts hat, um Fragen und damit Spannung zu entwickeln.
Sowohl Helens Mutter als auch ihre Schwester sind irgendwie seltsam. Ihre Mutter hält ihr bei jeder passenden Gelegenheit vor, sie wäre als Kind schon so und so gewesen und jedes Mal denkt Helen, dass stimmt doch nicht. Wirkliche Gespräche finden jedoch nicht statt und eine Erklärung wird auch nicht geliefert. Es heißt einfach nur immer wieder, sie wäre eben gefühlskalt und nur auf ihren Ruf und ihren Vorteil bedacht. Kristin kommt anfangs sehr herzlich rüber und Helen hat anfangs nur positive Erinnerungen. Sie will "ihre Kleine" beschützen vor dem bösen Leon, der sie bestimmt schlecht behandelt. Allerdings ist Kristin ziemlich oberflächlich und auch hier gibt es kein richtiges Gespräch. Später meint Helen dann allerdings, dass sie ja schon als Kind nach ihrer Mutter gekommen sei und ebenfalls nicht zu echten Gefühlen fähig. Es klingt aber eher wie eine Rechtfertigung für ihr Handeln und nicht wie etwas, dass ja eigentlich schon die ganze Zeit bekannt sein müsste.
Am Ende erfährt man indirekt, wer der Mörder war, aber es wird nie ganz klar benannt. Es gibt keine Versöhnung und niemanden, der wirklich was gewinnt. Keine der während der Suche gewonnenen Erkenntnisse war wirklich überraschend.








Eine Geschichte, die trotz spannender Möglichkeiten weitgehend ereignislos bleibt. Es gibt keine Überraschungen und keine Personen, die man ins Herz schließen könnte.

Montag, 4. September 2017

{Leseliste} September

Bevor ich es mir jetzt wieder mit einem Buch gemütlich mache, wollte ich euch noch meine aktuelle Leseliste zeigen. Es ist wieder einiges darauf gelandet, das ich unbedingt lesen will. Drückt mir die Daumen, dass ich das auch schaffe!
Einige der Bücher sind noch aus dem letzten Monat. In letzter Zeit sind so viele Rezensionsexemplare hier eingetroffen, dass ich sie einfach noch nicht geschafft habe. Allerdings fahre ich bald für zwei Wochen in den Urlaub, da ist hoffentlich viel Lesezeit drin und ich kann keine neuen Bücher bekommen. Glaube ich.


Andreas Winkelmann - Housesitter
Markus Heitz - Wedora - Schatten und Tod (2)
Mona Kasten - Coldworth City
Lily Oliver - Die Tage, die ich dir verspreche
Susanna Ernst - Immer wenn es Sterne regnet
Kerstin Ruhkieck - Forbidden Touch - Teil 2&3
Lauren Oliver - pandemonium (2)
Katy Evans - Mr. President

Wenn ihr eines der Bücher schon gelesen habt, dann schreibt bitte unbedingt, wie ihr es fandet! Die Meinungen anderer motivieren mich immer am meisten. Und wenn ihr etwas davon ebenfalls noch liegen habt, vielleicht wollt ihr ja mit mir gemeinsam lesen?

Donnerstag, 31. August 2017

{Gelesen} August

Obwohl ich mal wieder nicht alles von meiner Liste gelesen habe, hat mich die Tatsache, dass ich mir ein Buch vorgenommen hatte, doch mehr als einmal zum Lesen überredet. Da ich diesen Monat aber auch einiges an Buchpost bekommen habe, sind natürlich auch ein paar ganz andere Bücher dazwischen gerutscht. "Alles oder nichts?" lese ich zwar gerade noch, aber da ich es heute oder morgen beenden werde, rechne ich es einfach schon mal dazu.

Nochmal eine kurze Erinnerung an mein Vorhaben:


Kerstin Ruhkieck - Forbidden Touch - Band 2&3
Lauren Oliver - delirium
Jutta Maria Herrmann - Amnesia
Jenny-Mai Nuyen - Heartware
Simona Ahrnstedt - Alles oder nichts
Anne Darling - Der kleine Laden der einsamen Herzen
Lily Oliver - Die Tage, die ich dir verspreche

Diese Bücher habe ich nun gelesen:


Lauren Oliver - delirium
Petra Hülsmann - Glück ist, wenn man trotzdem liebt
Annabel Abbs - Die Tänzerin von Paris
Emma Chase - Liebe nur in Ausnahmefällen
Anne Darling - Der kleine Laden der einsamen Herzen
Jutta Maria Herrmann - Amnesia
Simona Ahrnstedt - Alles oder nichts

Diesmal waren wieder sehr viele gute Bücher dabei, aber letztlich war es dann doch nicht schwer, sich zu entscheiden, welches mein Favorit ist. Und der Flop war ebenso deutlich.


Alles oder nichts? - Simona Ahrnstedt
Dieses Buch hat mich restlos überzeugt. Es hat eine ansprechende Liebesgeschichte, die nicht übertrieben ist, und eine spannende Rahmenhandlung. Die Geschichte entwickelt sich im perfekten Tempo.


Amnesia - Jutta Maria Herrmann
Von diesem Buch hatte ich mir mehr versprochen. Es ging lange nicht richtig los und war selbst dann noch nicht spannend.

Sonntag, 27. August 2017

{Rezension} Der schönste Grund, Briefe zu schreiben

Je länger ich über dieses Buch nachdenke, desto mehr kann ich daraus mitnehmen.








Nach mehr als hundert Jahren soll das Postamt im kleinen Ort Porvenir geschlossen werden, weil zu wenig Bedarf besteht. Für die Briefträgerin Sara würde das die Versetzung in die Stadt bedeuten, fort aus ihrem gewohnten Leben. Um das zu verhindern, beginnen die Bewohner Porvenirs eine Briefkette, die nebenbei auch noch fremde Menschen zusammenführt und das Leben aller verändert.







Dieses Buch hat sich ganz anders entwickelt, als ich es nach den ersten Seiten erwartet hätte.
Man lernt zuerst Rose kennen, eine verwitwete ältere Frau, die auch in die Problematik einführt. Sie ist die Nachbarin von Sara, der Briefträgerin im kleinen spanischen Ort Porvenir. Sie soll in die Stadt versetzt werden, weil das Postamt im Ort nicht mehr benötigt wird. Rose rafft sich nun auf, nach Jahrzehnten des Schweigens einen Brief an ihre beste Freundin aus Jugendtagen zu schreiben und schickt ihn an das Haus, in dem diese damals gewohnt hat. Dann wechselt die Perspektive und man begleitet Alma dabei, wie sie den Brief findet. Seit einigen Tagen wohnt sie nun in besagtem Haus. Der Brief enthält die Aufforderung zu einer Briefkette, um Saras Arbeitsplatz zu sichern. Alma schreibt nun den nächsten Brief an ihre Lieblingsdichterin, die zufällig gerade in Porvenir Urlaub macht, wenn auch eigentlich inkognito. So setzt sich die Briefkette fort und man lernt nach und nach verschiedene Leute aus dem Dorf kennen, die alle ihre eigene Geschichte haben. Zwischendurch gibt es immer Abschnitte, die Saras Leben zeigen.
Nach und nach bilden sich jedoch Verbindungen zwischen den einzelnen Dorfbewohnern, die über die Briefe hinausgehen. Durch unerwartete Begegnungen und neue Freundschaften kann sich bei jedem etwas zum Positiven entwickeln. Der eine kommt aus seinem Schneckenhaus und der andere findet die große Liebe. Je mehr sich der Einzelne öffnet, desto stärker wachsen sie alle zusammen. Doch natürlich kann nicht alles eitel Sonnenschein sein und die Realität ist oft anders, als man denkt.
Ein besonderes Plus ist, dass die Briefe, die in der Geschichte geschrieben werden, immer abgedruckt sind. Sie spielen eine große Rolle für die Handlung und gewähren einen tieferen Einblick in die Figuren.
Ich habe mich allen Protagonisten verbunden gefühlt, konnte ihre Vergangenheit kennen lernen und ihre Handlungen verstehen. Es gab keine direkte Hauptperson, da die Perspektive sich immer wieder ändert. Manche Personen kamen ein bisschen öfter vor als andere, aber jeder hatte Anteil an der Geschichte und für jeden habe ich mich interessiert. Bis zum Schluss hatte ich sie alle in mein Herz geschlossen, obwohl niemand von ihnen irgendwie außergewöhnlich ist. Vielleicht macht hier gerade die Schönheit der Normalität den Reiz aus.
Das Buch ist sehr ruhig geschrieben. Es war sehr angenehm zu lesen, verständlich, aber nicht zu simpel. In vielen kleinen Details wird ein buntes Bild von Porvenir und seinen Bewohnern gemalt. Trotzdem hat mich die Geschichte in ihren Bann gezogen, weil die ganze Atmosphäre so freundlich und lebenshungrig war.
Die Autorin schafft ein gutes Verhältnis zwischen romantischen Liebesgeschichten, den Schattenseiten des Lebens und der Kraft der Freundschaft. Dabei zeigt sie, dass jeder seinen eigenen Weg gehen muss und jeder Weg, der zum persönlichen Glück führt, in Ordnung ist. Dadurch, dass die Figuren einander annehmen, ohne sich gegenseitig verändern zu wollen, sind sie Vorbild für unsere Gesellschaft, deren Sichtweise oft auf einen "Idealweg" beschränkt ist.







Ein Buch, dass mich tief bewegt hat und gleichzeitig leicht und fröhlich vom Leben schwärmt. Wunderbare Sommerlektüre, die Lust macht auf einen Urlaub im idyllischen Spanien.

Samstag, 19. August 2017

{Rezension} Heartware

Also lesen klappt schon wieder ganz gut. Hier ist auch gleich eine neue Empfehlung für euch. Wer mag spannende und actionreiche Geschichten und hat einen kleinen Hang zu Technik? Das ist euer Buch!








Adam Eli hat sich von seiner kriminellen Jugend losgesagt. Als Ghostwriter für Hausarbeiten verdient er nun sein Geld. Eines Tages erreicht ihn jedoch eine mysteriöse Anfrage. Er soll Willenja Curuvija finden, seine Jugendliebe. Wer ist ihr auf den Fersen und was will er von ihr? Bei seiner Suche wird er von Mariel Marigny begleitet, die im Auftrag eines mächtigen Internettycoons arbeitet. Doch sie sind offenbar nicht die Einzigen, die Willenja finden wollen.







Die Geschichte spielt nur ein paar Jahre in der Zukunft und zeigt eine gut vorstellbare Weiterentwicklung unserer technischen Gegebenheiten. Kaum etwas ist uns wirklich fremd, sodass es keine großartigen Beschreibungen braucht, um sich in diese Welt hineinzuversetzen. Auch die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse haben sich nicht wesentlich verändert.
Die Autorin hat einen für dieses Genre ungewöhnlich bildlichen Schreibstil, der mir sehr gut gefallen hat. Dadurch wurde besonders die Umgebung greifbar, was bei den vielen exotischen Orten hilfreich ist. Auch während der Action-Szenen hat sie stets das richtige Verhältnis zwischen Details und Tempo gehalten.
Das Buch steckt voller Figuren, die man nicht richtig einschätzen kann. In diesem Fall hat es das Ganze für mich jedoch erst recht spannend gemacht, weil ich unbedingt wissen wollte, wer welches Ziel verfolgt, auch wenn die vielen Parteien manchmal für ein wenig Verwirrung gesorgt haben. Das klärt sich jedoch zum Ende hin alles auf. Das Buch ist wechselweise aus verschiedenen Perspektiven geschrieben, sodass man alle beteiligten Parteien verfolgen kann.
Selbst die Hauptfiguren sind lange nicht wirklich greifbar. Einzig Eli blieb so, wie ich ihn eingeschätzt hatte. Dafür ergeben sich im Gesamtgefüge Entwicklungen, die mich völlig überrascht haben. Auch das Ende ließ sich nicht vorausahnen, was für mich bei einem guten Thriller äußerst wichtig ist. Zum Höhepunkt hin steigerte sich die Spannung auch nochmal.
Die Liebe zwischen Eli und Curuvija entwickelt sich unter widrigen Bedingungen und ist vielleicht gerade deshalb so ungewöhnlich und zart. In Erinnerungen wird von der Zeit in einem chilenischen Boot Camp berichtet, die die beiden zusammengeführt hat. Doch sie verrät ihn - und trotzdem bleibt sein Herz ihr neun Jahre lang treu. Bis er sie suchen soll und dabei an Marigny gerät. Wie wird die Zukunft aussehen?
Die Liebesszenen waren an keiner Stelle kitschig, sondern von einer Tiefe und Ehrlichkeit geprägt, die die Figuren sonst zu verbergen versuchen. Dadurch wurde gleichzeitig ihre Menschlichkeit hervorgehoben. Ansonsten fehlen der Geschichte etwas die Gefühle. Wenn überhaupt, werden sie in der pragmatischen Sprache eines Außenstehenden geschildert. Mir sind alle Protagonisten etwas fremd geblieben, gleichzeitig hat mich gerade diese auktoriale Perspektive fasziniert.
Wie es der Thematik angemessen ist, wird natürlich auch Fachsprache verwendet, diese ist aber gut verständlich, wenn man grundlegende Kenntnisse im Computerbereich hat. Also wirklich sehr grundlegend. Durch die Erklärungen und komplexen Vorgänge ließ sich die Geschichte allerdings nicht ganz so schnell lesen wie andere Bücher.
Zwischendurch lässt die Autorin immer wieder philosophischere Passagen einfließen, die mich zum Nachdenken angeregt haben. Was bedeutet es, ein Mensch zu sein? Was ist Liebe? Kann man seinen Charakter ändern? Wer bereits Vorwissen im philosophisch-theologischen Bereich mitbringt, kann hier auch schön die Problematik eine Leib-Seele-Dualismus nachvollziehen. Wer jetzt nicht weiß, wovon ich rede, sollte das Buch trotzdem lesen. Hier ist für jede Interessenlage etwas neues dabei und gleichzeitig hatte zumindest ich nie das Gefühl, dass eine herausragende Vorbildung von mir erwartet wird.








Ein Buch, das auf beeindruckende Weise die Zukunft unserer technologisierten Welt mit etwas Action und einer zarten Romanze verbindet. Ein Buch, dass direkt zum Re-Read einlädt.

Dienstag, 15. August 2017

Wertvolle Zeiten

"Jetzt habe ich ja frei, dann kann ich wieder öfter bloggen und ganz viel Lesen!"
Äh ja. Hat bisher nicht so richtig funktioniert. Obwohl ich tatsächlich gerade keine Verpflichtungen habe (die Sachen für die Uni stehen ganz weit hinten an), hatte das echte Leben in letzter Zeit eindeutig Vorrang vor meinem Blog. Das ist zwar schade, weil mir mein Baby natürlich immer noch viel Spaß macht, aber in dem Fall auch irgendwie berechtigt. Lasst mich erzählen.

Wer meinen letzten Beitrag gelesen hat, weiß, dass ich eine Woche lang mit tollen Kindern unterwegs war. Danach bin ich gleich noch eine Woche bei meinen Eltern geblieben (wenn man schon mal da ist...). In der Zeit habe ich mich mit all den Freunden getroffen, die ich bei meinem Umzug vor drei Jahren zurücklassen musste. Ein Teil von ihnen startet jetzt in ein Auslandssemester, was unsere eh schon geringen Möglichkeiten uns zu treffen auf null reduziert. Da war es natürlich umso besser, diese Zeit gemeinsam zu nutzen. Es war richtig schön, all diese lieben Menschen wiederzusehen, mit denen mich so viel verbindet. Menschen, die mich schon seit gefühlten Ewigkeiten kennen und bei denen ich keinen guten Eindruck mehr machen muss.
Wieder zuhause ging es dann auf diese Weise gleich weiter. Gestern wollte ich dann wirklich einen Beitrag schreiben, aber zuerst war ich zum arbeiten verabredet. (Falls ihr Cashews mögt, dann kann ich euch diese hier wärmstens empfehlen!) Daraus ergab sich dann, dass mein Freund und ich den ganzen Tag dort verbracht haben und erst spät wieder heimgefahren sind. Ich bin dort auf Menschen getroffen, die mir völlig unvoreingenommen gegenüber getreten sind und bei denen ich nicht das Gefühl hatte, mich anstrengen zu müssen, um gemocht zu werden.

Ich versuche ja schon länger, mich mehr mit Menschen zu umgeben, die mir guttun - und weniger mit solchen, die mich auslaugen oder bei denen ich mich beweisen muss. Meine Zeit ist zu kostbar, um sie an diejenigen zu verschwenden, die es nicht zu schätzen wissen. Ich bin sehr dankbar dafür, in den letzten Tagen so viele großartige Menschen getroffen zu haben, mit denen ich mich einfach wohlfühlen konnte. Ich weiß, sie sind selten, aber solange ich mich auf unerwartete Gelegenheiten einlasse, entdecke ich immer mehr von ihnen. Sie machen mein Leben reicher.

Montag, 7. August 2017

{Behind the Screens} Einmal Selbstvertrauen zum Mitnehmen, bitte!

Diesmal bin ich etwas verspätet, weil ich in den letzten Tagen viel Schlaf nachholen musste. Aber die Organisatoren scheinen auch nicht pünktlicher zu sein.


1. Wie war deine Woche?
Ich hatte ja letzten Sonntag schon erzählt, dass ich eine Kinderfreizeit betreue. Wie schon in den letzten Jahren hat es super viel Spaß gemacht. Es ist einfach großartig, die Kinder den ganzen Tag um sich zu haben, mit ihnen zu spielen und zu arbeiten. Manche begleitet man über Jahre hinweg und sieht sie langsam groß werden. Auch unsere thematischen Einheiten kamen an und obwohl wir im Hintergrund ziemlich wirbeln mussten, hat am Ende alles gut funktioniert. Wir hatten auch schönes Wetter, sodass wir viel draußen sein konnten. Unser Haus war direkt am Kurpark, wo wir im Kneippbecken die Füße kühlen und auf der Wiese ein Renn- und Fangspiel spielen konnten. Sogar die Verletzungen hielten sich in Grenzen. Nur Schlafen und Essen muss in so einer Woche hintenan stehen. Aber das ist zu verschmerzen. Dafür nehme ich wunderbare Erinnerungen mit, von Kindern, die mich ohne Grund umarmen, mit mir lachen und mir so viele kleine Glücksmomente geschenkt haben.
Dementsprechend fertig war ich in den letzten Tagen und bin auch noch nicht so viel zum Lesen gekommen. Das wird sich jetzt aber wieder ändern.

2. Hast du schon einmal das Ende eines Buchs zuerst gelesen?
Nein, das habe ich tatsächlich noch nicht gemacht. Ich habe aber einmal das Ende eines Buches gelesen, obwohl ich noch nicht so weit war. Es geht um den vierten Teil von Eragon, den ich richtig langweilig fand und abgebrochen habe. Weil ich aber trotzdem wissen wollte, wie die Reihe ausgeht, habe ich dann noch die letzten paar Seiten gelesen.

3. Was war dein Wochenhighlight?
Es ist so schwer, sich auf ein Highlight zu beschränken. Es würde zu lange dauern, all die Momente aufzuzählen, in denen ich mich in meinem Tun bestätigt gefühlt habe. Vielleicht ist das Highlight dieser Woche einfach die neu gewonnene Gewissheit, dass mein Berufswunsch genau richtig und passend für mich ist.

Mittwoch, 2. August 2017

{Leseliste} August

Da ich jetzt sehr viel frei habe, habe ich mich mal wieder an ein paar mehr Prints gewagt. Daneben natürlich auch eBooks für die Zeit, in der ich unterwegs bin. Wie schon angekündigt, werde ich "Amnesia" noch eine zweite Chance geben.
Kennt ihr eines dieser Bücher und könnt es mir vielleicht empfehlen?


Kerstin Ruhkieck - Forbidden Touch - Band 2&3
Lauren Oliver - delirium
Jutta Maria Herrmann - Amnesia
Jenny-Mai Nuyen - Heartware
Simona Ahrnstedt - Alles oder nichts
Anne Darling - Der kleine Laden der einsamen Herzen
Lily Oliver - Die Tage, die ich dir verspreche

Ich bin gespannt, wie viel ich davon schaffe. Hoffentlich ändert sich nicht wieder so plötzlich mein Geschmack, sodass ich völlig andere Bücher lesen muss. Aber von den meisten ausgewählten habe ich schon gehört, dass sie gut sein sollen, und das motiviert mich.

Sonntag, 30. Juli 2017

{Behind the Screens} Nach den Prüfungen beginnt der Sommer

Es ist mal wieder Zeit für einen Einblick in meinen Alltag. Wobei, jetzt ist ja erstmal Sommer, also raus aus der Routine!
Weitere Infos zur Aktion findet ihr bei BookWalk.


Wie war deine Woche?
Dienstag und Donnerstag standen meine Prüfungen an, beide mündlich. Ich habe mir mal wieder zu viel Stress gemacht, aber ich werde unruhig, wenn ich nicht das Gefühl habe, perfekt vorbereitet zu sein. Letztlich brauchte man nur einen Bruchteil seines Fachwissens und gute Argumente für seine Meinung. Damit waren beide Prüfungen entspannt zu bestehen.
Nachdem das dominierende Element meiner letzten Wochen nun wegfällt, kann ich mir endlich wieder Gedanken über andere Dinge machen. Ich müsste zum Beispiel dringend mal meinen Kleiderschrank aussortieren...
Für mich sind nun erstmal Ferien. Ich bin inzwischen bei meiner Familie, die mich auch schon länger nicht mehr gesehen hat. Heute startet eine Kinderfreizeit, bei der ich als ehrenamtlicher Betreuer mitarbeite. Ich freue mich einfach riesig, dass es in diesem Jahr wieder geklappt hat. Diese Woche ist immer eines meiner Jahreshighlights. In ein paar Jahren kann ich solche Fahrten hoffentlich auch beruflich machen. Gestern habe ich noch die letzten Dinge dafür vorbereitet. Wahrscheinlich geht wieder irgendwas schief, aber dann muss man eben improvisieren. Nach all den Jahren bin ich mittlerweile gut im spontanen Problemlösen. Irgendwas ist ja immer.

Hast du einen liebsten Leseplatz im Sommer und wenn ja, wie sieht der aus?
Am häufigsten lese ich im Bett. Dort halte ich mich sowieso die meiste Zeit auf, wenn ich zu Hause bin. Es ist zu jeder Tageszeit gemütlich und ich habe dort die Möglichkeit, häufiger meine Sitzposition zu ändern. Stillsitzen finde ich anstrengend.


Im Sommer mag ich es aber auch, nach draußen zu gehen. Einfach neben dem Fluss ins Gras hocken und bei Wasserrauschen und Grashüpferzirpen entspannen.

Was war dein Wochenhighlight?
Das Gefühl nach der letzten Prüfung. Rauszukommen, mit Freude über die eigene gute Leistung im Bauch, und zu wissen, dass man jetzt von allen Verpflichtungen befreit ist. Natürlich auch nur begrenzt, aber das ist in dem Moment erstmal egal. Es ist der Geschmack von Freiheit, wenn der Druck, der einen so lange gebremst hat, endlich abfällt.

Donnerstag, 27. Juli 2017

{Gelesen} Juli

Diesmal schon bevor der Monat wirklich zu Ende ist, aber ihr sollt ja endlich mal wieder was von mir hören.

Der ganze Stress rund um die Prüfungen hat mir meinen Plan ziemlich über den Haufen geworfen. Ich musste ein paar leichtere Geschichten einschieben, um überhaupt was zu lesen. "Amnesia" von Jutta Maria Herrmann musste ich unterbrechen und werde es demnächst nochmal versuchen. Die Geschichte fing eigentlich gut an, aber ich habe mich einfach mit der Komplexität schwer getan, wo doch mein Gehirn schon so gequält war.

Aus diesem Stapel ...


Mechthild Gläser - Die Buchspringer
Yrsa Sigurdardottir - Todesschiff
Lily Oliver - Die Tage, die ich dir verspreche
Jutta Maria Herrmann - Amnesia
Caragh O'Brien - Die Stadt der verschwundenen Kinder
Kerstin Ruhkieck - Forbidden Touch - Band 1

... ist das hier geworden:


Mechthild Gläser - Die Buchspringer
Tara Sivec - Love me, Idiot!
Kerstin Ruhkieck - Forbidden Touch - Band 1
Virna DePaul - Mit dem falschen Bruder im Bett
Caragh O'Brien - Die Stadt der verschwundenen Kinder
Stefanie Hasse - Fortunas Vermächtnis (eShort zu "Schicksalsbringer")

Da waren einige wirklich gute Bücher dabei, sodass es mir schwer fällt, mich auf eines festzulegen. Dafür war keines richtig schlecht.


Ashley Little - Niagara Motel
Dieses Buch hat mich positiv überrascht. Es ist stellenweise etwas skurril, aber der Einblick in eine Welt, die oft nicht vorkommt, hat mich berührt und zum Nachdenken gebracht.



Caragh O'Brien - Die Stadt der verschwundenen Kinder
Die Geschichte konnte mich leider nicht fesseln. Zu viele offene Fragen und es war oft schwer, mir die Welt vorzustellen.

Sonntag, 16. Juli 2017

{Behind the Screens} Von stressigen Tagen, guten Büchern und lieben Menschen

Wieder ist eine Woche vorbei. Viel zu schnell rast die Zeit gerade an mir vorbei, aber ich versuche trotzdem ab und zu zu bloggen. Wenn ihr mehr zur Aktion wissen wollt oder Interesse an den Beiträgen der anderen habt, dann schaut bei BookWalk vorbei.


Wie war deine Woche?
Eindeutig zu kurz. Jetzt ist es bloß noch etwas mehr als eine Woche bis zu meinen Prüfungen und ich weiß nicht, wie ich den ganzen Stoff bis dahin noch lernen soll. Irgendwie komme ich zur Zeit zu nichts und hab gleichzeitig wahnsinnig viel zu tun. Keine gute Kombi, aber das Ende ist in Sicht.
Diese Woche musste ich auch mehr als sonst arbeiten. Gleich zwei Veranstaltungen kamen zu meinen regulären Schichten dazu. Obwohl beides Spaß gemacht hat, ist es auch wieder Zeit, die mir für andere Dinge fehlt. Aber das kennt sicher jeder.
Dafür steht die Planung der vorlesungsfreien Zeit jetzt fast komplett und auch dem nächsten Semester sehe ich immer zuversichtlicher entgegen. Es werden wohl einige Veränderungen auf mich zukommen, aber das ist okay, weil ich alles so gewollt und initiiert habe.

Hast du eine aktuelle Urlaubslektüre bzw. eine uneingeschränkte Empfehlung für jeden Sommerurlaub?
Was immer geht, sind die Bücher von Petra Hülsmann. Sommerlich leichte und unterhaltsame Liebesgeschichten ohne viel Kitsch.
Ansonsten kann ich jedem nur "Das Lavendelzimmer" von Nina George empfehlen. In diesem Buch begibt sich ein Buchliebhaber auf eine gewagte Reise, um noch einmal seine große Liebe zu sehen. Das Buch konnte mich tief berühren und gehört auf jeden Fall zu meinen Favoriten.

Was war dein Wochenhighlight?
Da ist zuerst der Kuchenbasar zu nennen, den mein Quidditchteam an der Uni veranstaltet hat. Einer der wenigen Momente in der letzten Woche, in dem ich alle Anforderungen ausblenden konnte und einfach so gemocht wurde, wie ich bin. Lag sicher weniger am Kuchen als an den wunderbaren Menschen.
Außerdem hatte ich gestern endlich mal wieder einen Abend nur mit meinem Freund, der wie immer sehr schön war.

Freitag, 14. Juli 2017

{Rezension} Niagara Motel








Tucker ist 11. Seine Mutter Gina ist Stripperin. Sie ziehen oft um und leben meist in Motels. Bis Gina einen Unfall hat und im Krankenhaus bleiben muss. Tucker kommt in ein Heim für Jugendliche. Dort lernt er Meredith kennen. Sie ist 16 und schwanger. Da Gina krank ist und vielleicht stirbt, will Tucker nun seinen Vater finden. Gemeinsam mit Meredith macht er sich auf den Weg in die USA.







Tucker war zwar noch nie im Urlaub, hat aber schon mehr von seinem Land gesehen als die meisten Gleichaltrigen. Mit seiner Mutter Gina reist er quer durch Kanada. So kommen sie am Anfang der Geschichte im Niagara Motel an. Gina lässt ihren Sohn dort zurück, um sich einen Job zu besorgen. So erfahren wir gleich, wie Tucker seine Freizeit gestaltet, denn er ist oft allein. Diesmal kommt Gina allerdings nicht zurück. Tucker macht sich auf die Suche und findet sie im Krankenhaus, wo sie nach einem Unfall gelandet ist. Er macht sich Sorgen, dass sie sterben könnte. Da er nicht die nächsten sieben Jahre im Heim verbringen will, hält er es für notwendig, seinen Vater zu finden. Gina hat kaum was von ihm erzählt und so glaubt er nun, es wäre Sam Malone, Held einer amerikanischen Fernsehserie. Das erscheint ihm völlig plausibel, wo doch sogar ihr eigener Nachname Malone ist.
Gina spielt selbst kaum eine Rolle, man erfährt eigentlich nur aus Tuckers Erinnerungen etwas über sie. Ich konnte schlecht einschätzen, ob sie gern Stripperin ist oder einfach keine andere Perspektive sieht. Ihr Umgang mit Tucker ist liebevoll, aber für meinen Geschmack zu wenig fürsorglich. Gina hat außerdem Narkolepsie (sie schläft ohne Grund plötzlich ein) und Kataplexie (sie kann ihre Muskeln plötzlich nicht mehr bewegen, bekommt aber alles mit). Diese Krankheiten spielen immer wieder eine Rolle und sind für Tucker völlig normal.
Tucker erzählt seine Geschichte, als würde er sie seinem besten Freund schildern. Die Logik eines 11-Jährigen erscheint für Erwachsene manchmal seltsam, aber aus seiner Sicht war alles plausibel. Ich fand Tucker sehr authentisch und konnte mich gut in ihn hineinversetzen. Es ist ein nüchterner Erzählstil, der nichts unnötig dramatisiert und gleichzeitig deutlich macht, dass ein Kind manche Dinge noch ganz anders wahrnimmt und beurteilt. Man merkt aber auch, dass Tucker für sein Alter schon sehr reif ist, weil er einfach unheimlich viele Dinge allein bewältigen muss.
Meredith lebt in dem Jugendheim, in das auch Tucker kommt. Sie arbeitet heimlich als Prostituierte, aber Tucker durchschaut sie durch seine Vorerfahrungen sofort. Die beiden freunden sich an und sie erzählt ihm, dass sie durch eine Vergewaltigung schwanger ist. Der traumatische Aspekt dessen wird allerdings kaum aufgegriffen, es geht lediglich darum, dass dieses Kind nun abgetrieben werden soll. In letzter Minute entscheidet sich Meredith allerdings doch noch um.
Tucker beschließt, seinen Vater in den USA zu suchen, und Meredith will ihn dabei unterstützen, auch wenn ihr selbst schon klar ist, dass es sich um eine fiktive Figur aus einer Serie handelt. Die Reise schweißt die  beiden zusammen, stellt sie aber auch vor große Herausforderungen. Ihr Auto gibt schon bald auf und sie müssen trampen. Dabei treffen sie die verschiedensten Menschen. Hier fand ich es sehr angenehm, dass nie ein Urteil gefällt wird. Stattdessen findet einfach eine Beschreibung desjenigen und meist auch eine Unterhaltung statt, die durch den sachlichen Stil unterstützt werden. Einige Personen spielen auch im weiteren Verlauf nochmal eine Rolle, andere tauchen nur kurz auf.
Die Handlung ist etwas skurril und abenteuerlich, aber sie passt auch zu den Charakteren. Hier hat auch die ruhige Schilderung geholfen, dass es nicht ganz so fiktiv gewirkt hat. Tucker und Meredith müssen einiges durchmachen auf ihrer Reise. Hier nimmt die Autorin kein Blatt vor den Mund und ich frage mich, ob die Erlebnisse nicht später doch noch Auswirkungen auf deren Psyche haben werden. Im Buch scheint es so, als könnten sie alles locker wegstecken, solange sie sich gegenseitig haben.








Eine lesenswerte Geschichte, die nachdenklich macht, aber auch staunen lässt, wie selbstverständlich für einen kleinen Jungen all das sein kann, was wir unnormal finden.

Sonntag, 9. Juli 2017

{Behind The Screens} Must-Reads, ein Sommerfest und Quidditch europaweit

Ich bin beim Blogstöbern auf eine wöchentliche Aktion gestoßen, die ich heute gerne ausprobieren möchte. Da ich auf die Einblicke in mein Alltagsleben bisher immer positive Rückmeldungen bekommen habe, könnte das mit dieser Aktion nun regelmäßig passieren.
Es handelt sich um "Behind The Screens" von BookWalk und Stehlblüten. Genauere Infos dazu gibt es auf ihren Blogs.


Wie war deine Woche?
Eigentlich ziemlich gut. Ich habe zwar nicht wie geplant mit dem Lernen angefangen, aber ich habe auch noch zwei Wochen bis zu den Prüfungen. Das sollte machbar sein. Dafür habe ich endlich wieder mehr gelesen und auch wieder gebloggt, was mich beides echt glücklich gemacht hat. Dieses Wochenende war außerdem das Sommerfest meines Wohnheims. Das bedeutet, dass der gestrige Abend mit Grillen, Musik, Tanz und Geselligkeit bis in die Nacht hinein gefüllt war. Bei dem Wetter genau das richtige.

Welches Buch muss du auf jeden Fall bis Ende 2017 gelesen haben?
Das ist schwierig zu beantworten. Einige meiner Must-Reads sind ja noch gar nicht erschienen und ich habe auch ein paar Rezensionsexemplare angefragt, die ich dann natürlich lesen muss. Von denen, die hier stehen, sind es aber wahrscheinlich "Alles oder nichts" von Simona Ahrnstedt und "Caraval" von Stephanie Garber. Könnte durchaus daran liegen, dass ich die beiden jedes Mal als erstes sehe, wenn ich morgens die Augen aufschlage. Ja, mein Bücherregal steht direkt vor dem Bett. 

Was war dein Wochenhighlight?
Das oben erwähnte Sommerfest war auf jeden Fall eines! Zusätzlich finden dieses Wochenende auch die IQA European Games statt (Europameisterschaft im Quidditch). Dank Liveticker meines wundervollen Teams konnte ich ein bisschen dabei sein. Deutschland spielt im Moment um Platz 5 und um 18:00 Uhr startet das Finale zwischen Frankreich und Großbritannien. Fall jemand gucken will, gibt es hier einen Livestream. Alle Ergebnisse gibt es in den offiziellen Tabellen.

Wie war eure Woche und welches Buch müsst ihr dieses Jahr unbedingt noch lesen? 

Freitag, 7. Juli 2017

{Rezension} Anfang 40, Ende offen


An Veras 46. Geburtstag soll endlich ihre Scheidung von Noch-Ehemann Sven stattfinden. Er hat sie betrogen und lebt jetzt mit seiner jüngeren Freundin zusammen. Doch der Termin platzt. Jetzt bleibt Vera nur noch die Reise nach Feuerland mit ihren besten Freundinnen. Dann, wenn ihre Tochter Greta nach dem Abitur endlich ausgezogen ist. Doch die will nicht. Und dann verliebt sich Vera ausgerechnet in den eigentlich viel zu jungen Referendar Paul. Ob das gut gehen kann?

Das Buch war sehr unterhaltsam geschrieben und verschweigt auch die kleinen Peinlichkeiten nicht, die sicher jeder schon mal erlebt hat. Dadurch wurden die Figuren sehr authentisch und ich konnte mich gut in ihre Lage hineinversetzen.
Bei ihrem Kampf für die ersehnte Freiheit kam mir Vera manchmal ein wenig zu bockig und kindisch vor. Auf der anderen Seite zeigt sie, dass auch Erwachsene nicht immer so erwachsen sind, wie man das in jungen Jahren annimmt.
Die Charaktere waren mit klaren Eigenschaften ausgestattet. So konnte man sie von Anfang an gut unterscheiden. Da sie gewissermaßen Stereotypen darstellten, hatte ich beim Lesen oft bestimmte Personen aus meinem Bekanntenkreis vor Augen. Allerdings lassen solche strikt abgegrenzten Charaktere kaum Entwicklung zu. Einzig die Hauptfigur Vera blieb von festen Vorgaben verschont und konnte so im Laufe der Geschichte dazulernen. Sven macht eine Kehrtwende, die mir übertrieben und damit unrealistisch erschien.
Zu den großen Hauptdarstellern kommen noch eine Reihe von kleineren Nebenrollen, die zwar nicht so genau ausgearbeitet waren, aber dafür auf den ersten Blick schon liebenswert. Sie konnten die Geschichte bereichern und die ein oder andere interessante Offenbarung bieten.
Leider konnte man als Leser nicht auf Feuerland dabei sein, obwohl gerade am Anfang des Buches so viel davon gesprochen wird. Nach all der Vorfreude hätte ich mir hier noch einen ausführlicheren Reisebericht gewünscht, aber vielleicht würde das auch den Rahmen sprengen. Die Geschichte wurde ja eh schon ziemlich ausufernd erzählt.
Die Probleme, die Vera in ihrer noch frischen Beziehung mit Paul hat, wurden gut rübergebracht und ich konnte viele Punkte aus eigener Erfahrung nachvollziehen. Die Liebesgeschichte ist lebensecht und alltagsnah. Dennoch hat mich ein bisschen gestört, dass es so viel hin und her gab. Vera fällt es echt schwer, Entscheidungen zu treffen, zu denen sie dann auch steht. Oft kam ein klares Ja oder Nein eigentlich zu spät, aber Paul ist so geduldig, dass er auch das in Kauf nimmt. Manchmal war er dabei zu sanft.
Sven hat mich zwischendurch richtig genervt, weil er die Scheidung dauernd hinauszögert und nebenbei versucht, Vera wieder zurück zu gewinnen. Dabei hat er ja eine neue Freundin, für die er seine Frau damals verlassen hat. Nur ist ihm die plötzlich nicht mehr gut genug. Manchmal wollte ich den Kerl einfach aus dem Buch ziehen und schütteln, aber Vera ist ja genauso an seinem Verhalten verzweifelt.
Letztlich geht es immer wieder um die Frage, was man eigentlich vom Leben will. Um das herauszufinden, muss man zuerst wissen, was einem gut tut. Das man dabei auch scheitert, zeigt uns Veras Geschichte. Aber das gehört dazu und am Ende findet man immer irgendwie seinen Weg. Auch wenn es ein bisschen länger dauert.

Seichte Unterhaltung für Zwischendurch, die sich gut lesen lässt und die ein oder andere Angst vor dem Alter nehmen kann. Wobei Alter ja relativ ist...

Dienstag, 4. Juli 2017

{Leseliste} Juli

Für den Juli habe ich versucht, mir nicht ganz so viel vorzunehmen, weil ich aktuell für meine Prüfungen lernen muss.


Mechthild Gläser - Die Buchspringer
Yrsa Sigurdardottir - Todesschiff
Lily Oliver - Die Tage, die ich dir verspreche
Jutta Maria Herrmann - Amnesia
Caragh O'Brien - Die Stadt der verschwundenen Kinder
Kerstin Ruhkieck - Forbidden Touch - Band 1

Einige der Bücher wurden mir empfohlen, deshalb sind sie jetzt endlich dran. Was habt ihr schon gelesen oder wollt es vielleicht noch?

Sonntag, 2. Juli 2017

{Gelesen} Juni

Nachdem die Uni mich so lange vom bloggen abgehalten hat, zeige ich euch heute, was ich im letzten Monat gelesen habe. Obwohl ich zwischendurch kaum Zeit hatte, ist das Ergebnis doch gar nicht so schlecht. Zum Vergleich wie immer meine Leseliste:


Mona Kasten - Feel again
Ashley Little - Niagara Motel
Franka Bloom - Anfang 40, Ende offen
Tara Sivec - Love me, Idiot!
Nika Lubitsch - Erpresst
Marcus Hünnebeck - Stumme Vergeltung
Stefanie Hasse - Book Elements 3

Es sind dann diese Bücher geworden:


Maya Shepherd - 50 Tage (Der Sommer meines Lebens)
Adriana Popescu - 5 Tage Liebe
Amy Baxter - Simply with you
Adriana Popescu - Ewig und eins
Marcus Hünnebeck - Stumme Vergeltung


Adriana Popescu - Ewig und eins
Dieses Buch hat mich sehr berührt und die Geschichte war fantastisch erzählt. Die Autorin hat einen wunderschönen Schreibstil und kann mich immer wieder mitreißen.


Marcus Hünnebeck - Stumme Vergeltung
Dieses Buch war leider langweilig und vorhersehbar. Ich konnte weder der Handlung noch den Protagonisten etwas abgewinnen.



Habt ihr schon eines dieser Bücher gelesen? Und wie hat es euch gefallen?

Montag, 19. Juni 2017

{Rezension} feel again

Diesmal fiel mir das Schreiben richtig schwer, was nicht unbedingt an dem Buch lag, sondern eher daran, dass ich momentan sehr viel zu tun habe und nicht mehr viele Kapazitäten frei sind. Da mir aber schon die ersten beiden Teile ("begin again" und "trust again") sehr gut gefallen haben, nun auch zum Abschluss der Trilogie noch ein paar Worte.










Sawyer beschränkt ihr Liebesleben auf OneNightStands. Eine Beziehung ist nichts für sie. Zu sehr fühlt sie sich durch ihre Kindheit zerstört, um sich jemandem anvertrauen zu können. Bis plötzlich der unscheinbare nerdige Isaac in ihr Leben tritt. Anfangs sieht sie in ihm nur ein Projekt; sie macht ihn zum Frauenschwarm und fotografiert die Veränderung für ihre Abschlussarbeit. Doch schon bald entwickelt sich eine Freundschaft zwischen den beiden, die Sawyers Entschluss zum Wanken bringt.







Es war schön, die Personen aus den früheren Büchern noch einmal zu treffen. Vor allem Dawn war sehr authentisch beschrieben, Allie dagegen war leider etwas blass. Kayden spielt hier wieder eine Rolle und gewinnt noch etwas mehr Profil. Auch Isaac lernen wir ja bereits in "trust again" kennen.
Die Charaktere waren sehr gut herausgearbeitet. Vor allem Sawyer ist unglaublich vielschichtig und man konnte sie wie einen echten Menschen nach und nach kennen lernen. Sie gewinnt im Gegensatz zu den ersten Büchern etliches an Liebenswürdigkeit hinzu. Ihre Vergangenheit wird nicht auf einen Schlag enthüllt, sondern stückweise in dem Maße, wie sie sich Isaac zu öffnen lernt. Dadurch wird ihr Trauma noch einmal greifbarer und besser verständlich. Auch der Konflikt mit ihrer Schwester Riley bezüglich deren Hochzeit macht noch einmal deutlich, was in Sawyers Innerem vorgeht und womit sie zu kämpfen hat.
Isaac lernt man durch Sawyers Augen kennen, was ihn unheimlich sympathisch macht, aber auch schonungslos seine Schwächen offenbart. Nicht immer konnte ich ihn verstehen, aber das hat sich gut in den Verlauf der Handlung eingefügt.
Die Geschichte ist voller Emotionen, die immer ausführlich geschildert werden. Dadurch habe ich beim Lesen ein ähnliches Gefühlschaos durchgemacht wie die Hauptpersonen. Hier zeigt sich einfach das Talent von Mona Kasten, Situationen aus dem Leben zu greifen und so plastisch wiederzugeben, dass fast jeder sich darin finden kann.
Eine liebende Familie wird hier als Ideal und Ziel aller Sehnsucht dargestellt, was besonders diejenigen treffen wird, die nicht schon von Kindesbeinen an damit gesegnet sind. Damit wird aber gleichzeitig der Wert von selbstgewählten zwischenmenschlichen Beziehungen heruntergesetzt. Ein solches Ideal aufzubauen, halte ich für problematisch, da es auch Sawyers bisheriges Leben als ungenügend darstellt und entgegen anderer Lebenskonzepte läuft.
Mir ist mehrmals aufgefallen, dass Sawyer das Objektiv ihrer Kamera abschraubt, bevor sie Fotos macht, und anschließend wieder drauf. Natürlich kann ich mir denken, dass hier lediglich die Schutzkappe vorne auf dem Objektiv gemeint ist, da alles andere das Fotografieren unmöglich machen würde. Allerdings soll Sawyer angehende Profi-Fotografin sein. In dem Fall halte ich es für absolut notwendig, dass die Autorin dieses Bild durch eine angemessene Begriffswahl unterstützt.
Ich denke, zur Konzeption der Handlung, dem Kitsch-Faktor und dem Schreibstil muss ich nicht mehr viel sagen. All das war hier wieder wunderbar. Genaueres könnt ihr den Rezensionen zu "begin again" und "trust again" entnehmen.








Ein schöner Abschluss einer guten Trilogie. Leider im Vergleich mit den anderen Bänden mit deutlichen Schwächen. Wer begonnen hat, sollte sich aber dennoch Sawyers Geschichte nicht entgehen lassen.

Dienstag, 13. Juni 2017

{Rezension} Hölle auf Erden








Mark Nelson wird hinzugerufen, als eine Frau mit merkwürdigen Narben im Gesicht auftaucht. Sie behauptet, gestorben und nun zurückgebracht worden zu sein. Tatsächlich sieht sie einer vor zwei Jahren verunglückten Frau erschreckend ähnlich.
Pünktlich zum Geburtstag seines ermordeten Sohnes erhält David Groves wieder eine Karte. Diesmal steht darauf: Ich weiß, wer es getan hat. Kurz darauf sterben mehrere Menschen unter mysteriösen Umständen.
Beide Detectives sind mit unerklärlichen Fällen konfrontiert, die sie direkt in die Hölle führen.







Der Anfang hat mich sofort gefesselt. Man erfährt direkt vom grausamen Tod von Groves Sohn, der im weiteren Verlauf eine bedeutende Rolle spielt. Vor diesem Hintergrund wird auch Groves selbst charakterisiert und sein Handeln verständlich. Er ist ein gebrochener Mann und das merkt man sehr deutlich.
Es geht spannend weiter, denn auch in Marks Gegenwart dauert es nicht lange, bis die Frau mit den Narben im Gesicht auftaucht. Charlie heißt sie und ist fest davon überzeugt, vor zwei Jahren gestorben zu sein. Mark führt etliche Gespräche mit ihr um langsam die Wahrheit herauszufinden. Was anfangs noch absurd schien, wird immer glaubhafter und ich konnte manchmal nicht schnell genug in diesen Handlungsstrang zurückkehren, um endlich zu erfahren, was dahinter steckt.
Beide Geschichten laufen zunächst parallel. Dazwischen werden auch immer wieder Episoden aus der Sicht anderer beteiligter Personen erzählt. So ist man gezwungen, sich beim Lesen zu konzentrieren, damit man der Handlung folgen kann. Ich hatte das Pech, zwischendurch eine Lesepause einlegen zu müssen, und habe danach nur schlecht wieder in die Geschichte gefunden. Je komplexer alles wurde, desto öfter habe ich die einzelnen Handlungsstränge vermischt, bis in meinem Kopf ein großes Chaos herrschte. Zusätzlich wird am Ende noch zwischen mehreren Zeitebenen unterschieden, die mir vorher beim Lesen gleichzeitig vorkamen.
Erst sehr spät kommt der Zusammenhang zwischen den Geschehnissen zustande. Dann wird auf wenigen Seiten aufgelöst, was vorher ein Mysterium war. Leider habe ich am Ende nicht mehr ganz durchgeblickt, sodass mir ein paar Details entgangen sind. Hier hätte ich mir mehr Raum für Erklärungen und eventuelle Wiederholungen gewünscht, damit das Durcheinander am Ende einen würdigen Abschluss bekommt und meine Fragen auch wirklich alle beantwortet werden.
Es wird eine Verbindung zu einem früheren Fall, dem 50/50-Killer, aufgebaut. Man muss das entsprechende Buch jedoch nicht gelesen haben. Alle wichtigen Ereignisse werden erzählt und auch die damals beteiligten Personen erneut eingeführt. Das bringt zusätzliche Spannung in die Geschichte, vor allem für diejenigen, die den "50/50-Killer" kennen. Leider wurde diese Verbindung am Ende nicht mehr mit bedacht, sodass sie in der Auflösung keine Rolle mehr spielt. Dafür laufen die anderen Fäden korrekt ineinander und auch wenn nicht alles restlos geklärt werden kann, weiß man als Leser am Ende doch, wie die Täter gearbeitet haben und was mit Groves Sohn und der Frau mit den Narben geschehen ist.
Es gibt mehrere Tote, deren Verletzungen in ihrer Brutalität genau beschrieben werden. Gleichzeitig ist so viel Luft da, dass ich mein Kopfkino kurzzeitig ausschalten konnte, wenn es mir zu viel wurde. Die Morde selbst werden nie beschrieben, was ich gut fand. Es geht hier mehr um die psychologischen Wirkungen von Zwang, Manipulation und Gewalt.








Ein spannender Thriller, der Angst vor der Dunkelheit macht. Gut geschrieben, aber so komplex, dass man ihn schnell lesen sollte.